Mittwoch, 27. Februar 2013

Von Landpolizisten überfallen

Tag 6               Corumba - Santa Cruz               670 km
 
Heute überfahren wir eine Grenze. Das heißt rasieren. Wieder eine Transportetappe. Die Sonderprüfung ist heute, die Autos möglichst rasch durch den Zoll nach Bolivien zu schleusen. So etwas kann lang dauern. An der mongolisch-russischen Grenze haben wir einmal neun Stunden gewartet.
Gilt als die heikelste Grenze der Rallye. Aber immer noch lässiger
als jene zwischen Russland und der Mongolei.
Wir starten um 7.30, zehn Minuten später sind wir an de Grenzstation. Um 10.30 stehen wir noch in Brasilien, als Carlos vorbei schaut. Er kommt aus Peru und stellt sich als „Missionario Mundial“ vor. Ein weltweit zuständiger Missionar. Das kann er mit einem hübschen Ausweis und Fotos seiner Auftritte belegen. Wir spenden und lehnen das Angebot zum gemeinsamen Gebet am Parkplatz höflich ab.

Carlos, Missionario mundial, im Dienst. Das gemeinsame Gebet am Parkplatz haben wir höflich abgelehnt.
 
Als wär´s nicht schon heiß genug. John Brigden und Hernan stellen sich nach drei Stunden Warten den ausgewogenen Fragen der Teilnehmer.
 
Dem Herrn Direktor ging´s derweilen ganz passabel. Er teilt sich
eine feines Plätzchen mit Ortskundigen.

Die Spende an Carlos wirkt. Wenige Minuten später dürfen wir zur bolivianischen Seite weiterrollen. Menschenscharen warten beiderseits des Balkens in der prallen Mittagssonne.

Monotonie an einer brasilianischen Busstation. Nach drei Stunden am Parkplatz waren Antonio, Robert und Dani (v.l.) schon so weich, dass sie auch den nächsten Bus genommen hätten.

Dann endlich. Bolivien begrüßet uns noch am Vormittag.
Bolivien beginnt für uns ganz tief. Die Grenzstation liegt auf 90 m Seehöhe. In zwei Tagen schlafen wir oberhalb von 3600 Metern. Mir steht ein steiler Aufstieg bevor. Die Wahrsagerin hatte Recht.
Wir dachten der Übertritt sei von den Veranstaltern bestens vorbereitet. Es ist kurz vor 12 h. Vor zwei Stunden hat es in Brasilien schon Diskussionen mit den Marshalls gegeben, jetzt fallen grobe Worte. Erst recht als das Gerücht aufkommt, dass die Grenzer um 12 Mittagspause machen. Für zwei Stunden. Niemand will so einen Unsinn glauben, bis die Tür ins Schloss fällt.
 
 
Wer mal richtig Kohle mache will, sollte sich einen Laden an Grenzstation in
Porto Suarez überlegen. Das Durchgeschäft läuft mau, aber die Toiletten, eine Goldgrube.

 Fast kein Schatten. Die Sonne genau über uns.
Da braucht man kein Thermometer mehr.
Halsschlagadern weiten sich. Hemden werden noch feuchter. Humor der Verzweiflung kommt auf. Pohl/Peil bekleben ihren Wagen mit I am Wilhelm. Für mich ist und bleibt er Dschingis. Biere werden verteilt, trotz Nullkommanull.
 
Von links drängen die Routiniers .....
.... von rechts die Gringos.
 

Sickerwitz ....

 



.... oder Gehörschaden.
Um Punkt zwei geht die Show weiter. Jetzt geht alles ganz schnell. Eine Kopie hier, ein Eid dort, fünf Stempel in die Papiere. Um 16 h sind wir fertig. Nur achteinhalb Stunden. Wir sind Ärgeres gewohnt. Andi, Dani, Jörg und wir fahren im Konvoi. Vier Mercedes für ein Halleluja. Herr Pappas würde bei diesem Anblick feuchte Augen bekommen.
 
Einsamkeit auf der Landstraße. In zwei Stunden weniger als zwölf Autos auf der Gegenfahrbahn.

Nur noch 650 Kilometer. Der Wunsch auf eine Autobahn bleibt unerfüllt. Aber wir bekommen etwas fast so Gutes. Glatter Asphalt Hunderte Kilometer durch unberührte Natur. Und kein Gegenverkehr. Auf den ersten 200 km kommen uns hochgegriffen ein Dutzend Autos entgegen.
Laut Roadbook soll die erste Tankstelle nach 100 km auftauchen. Das Roadbook lügt. Nächster Eintrag bei 210 km. Wir sind zwar noch halb voll, aber was man hat, hat man. Wir biegen in die Nebenspur ein. Scheinbar die nächste Lüge. Wir sehen eine Art Bauernhof, aber keine Zapfsäulen. Unsere drei Partner drehen ab auf die Hauptstraße. Wir wollen es genau wissen und rollen näher ran. Eine große Scheune, ein paar Zelte, Menschen. Wir durchfahren das Gattertor, fragen und bekommen einen negativen Bescheid. Alles nur keine Tankstelle. Aber gleich in 130 km gebe es eine in San José. Wir schleichen durch die Ausfahrt auf die Landstraße. Plötzlich steht er vor uns: der Landpolizist. Mit seinem hageren Moped versperrt er uns den Weg.
Seinen bolivianischen Tieflandakzent können wir problemlos deuten. Wie hätten wir Gangster nur ein derart schweres Vergehen begehen können. Das sei ihm in zwanzig Jahren Dienst noch nie passiert. Hans ??, ich ????. Wir seien in diesem Bauernhof gegen die Einbahn gefahren, vorsätzlich. An fast jedem anderen Ort der Welt hätte wir jetzt gelacht, aber hier? Man weiß nicht. Wir geben uns einsichtig und sind bereit, uns jeder Strafe zu unterwerfen, gleich hier, ohne Wenn und Aber, Hauptsache sie trifft uns sofort und liegt unter 30 Dollar.
Aber da kannten wir die Gendarmerie in Bolivien schlecht. So einfach macht das unser Sheriff nicht. Wir müssen mit ihm auf die Polizeistation kommen. Basta. Hans ahnt Böses und murmelt etwas von voll in der Scheiße oder so. Ein zweiter jüngerer Bulle taucht auf. Auch auf einem Motorrad. Beide eskortieren unseren Direktor mit ihren Spielzeugmopeds über den staubigen Feldweg vorbei an weidenden Schweinen tiefer ins Hinterland. Schauergeschichten über verschleppte, vergewaltigte, verschwundene Touristen schießen ins Hirn. Wir sollen anhalten. Weit und breit keine Polizeistation. Und auch keine Menschen. Der Jüngere hält uns einen Vortrag auf Spanisch. Was wir doch für Vollkoffer sein müssen, auf so einer befahrenen Straße gegen die Einbahn zu fahren, wie massiv wir dadurch die Staatssicherheit gefährdet hätten, und was er jetzt mit uns Knallköpfen tun soll. Cuanto? 30 Dollar! Zwei Minuten später fahren wir Richtung Asphaltstraße, eskortiert von zwei Polizeibeamte, damit uns an diesem düsteren Ort ja nichts passiert.
Die Qualität ist übel, aber als Beweis taugt das Fotos allemal. Es wurde von unserer fixen GoPro
aufgenommen, die pro Minute in Bild macht. Vor uns der ältere Gendarm, als er uns zur
"Polizeistation" eskortiert. Alle vorhergehenden und folgende Ereignisse passierten neben dem Auto.
Hätten wir dafür de Kamera ausgepackt, säßen wir vermutlich jetzt noch im Knast.
 Kaum Asphalt unterm Gummi, geben wir Vollstoff. Nochmals davon gekommen. Jetzt ein geräumiger Schluck Isle of Jura. Es ist finster geworden. Bald leuchtet im Kopf das Tankthema wieder auf. Die 130 km sollten wir schaffen. Pedal am Nagel. 140 auf der Geraden, ein LKW blendet uns, da steht plötzlich eine schwarze Kuh, Hans meint später es war ein Esel, vor uns. Verriss. Das Heck schwanzelt. Wir treffen das Viech nicht. Aber ich glaube, ich habe ihm mit dem Seitenspiegel ein Ohr abgefahren.

Partystimmung an der Tankstelle in San José. Vorne links die deutschstämmigen Quäker mit Stetson.

Warum einfach? Dieser Tankwart hat binnen einer Stunden kommentarlos
mindestens Hundert Kanister gefüllt.
In San José treffen wir alle wieder. Die gute Nachricht: Es gibt eine Tankstelle. Die schlechte: Sie verkaufen an Ausländer keinen Sprit. Bolivianischer Humor. Das heißt, sie bedienen uns nicht direkt an der Zapfsäule. Von der Regierung erlaubt ist jedoch, dass wir Kanister anfüllen, diese dann 15 Meter zum Auto tragen (oder vom Tankwart tragen lassen) und dann händisch einfüllen. Nach sechs Füllungen sind wir voll und kennen die halbe Tankstelle. Auch die Quäker, die wie Geister aus einem Bus gestiegen sind. Durch die Bank Armani-Models, offenbar alles Brüder oder Cousins, klar sichtbar jeder mit jedem verwandt. Alle blond, alle über einsachtzig, aller super trainiert, alle in Latzjeans wie Uniformen. Die Mädels deutlich biederer. Sie stammen aus einem deutschen Dorf, 70 Kilometer von hier, und sprechen eine Art Deutsch. Der Holländer versteht sie besser als wir.
 
Wir verlassen die Party mit vollen Tanks, duften lecker nach Benzin und brettern Richtung Santa Cruz. Noch 300 km. Bei normalem Verkehr sollten wir um 22.30 Uhr an der Bar lehnen. 60 km vor dem Ziel riechen wir plötzlich Benzin, und das heißt was nach diesem Tankparty. Vollbremsung. Notstopp halb auf der Straße. Jörg und Dani halten und beraten mit uns. Das Blaulicht am Dach hält uns die LKWs vom Leib. Bald ist klar, dass eine Reparatur ohne Licht, ohne richtiges Werkzeug  und ohne einen Fachmann mehr schadet als hilft. Jörg nimmt uns ans Seil.

Das Band der Freundschaft ist zwar fünf Mal gerissen, brachte uns
letztlich aber doch ins Ziel
Das klappt wunderbar, bis wir eine Polizeikontrolle erreichen. Rechts ran, Papiere zeigen, Deppensteuer zahlen. Wir wollen im Schlepptau wieder anfahren. Die Lenkradsperre klemmt. Beim Rettungsversuch bricht der Schlüssel im Schloss ab. Rien ne va plus. Gleich öffnet sich die Erde unter uns.
Die Polizisten, die uns vorher noch einen unverschämten Betrag ohne Grund und Beleg abgeknöpft haben, sollen uns nun helfen, einen Abschleppwagen aufzutreiben. Am Freitag um 23.45. Sie haben ein weiches Herz. Einer der Cops hat einen Bekannten mit Transporter. Antonio, Jörgs portugiesischer Beifahrer, wird mit ihm mitfahren und ihn herlotsen.
 
Unterdessen schaffte es Jörg jedoch, den Schlüsselstumpf aus dem Schloss zu kitzeln. Wo er das gelernt hat, ist uns in diesen Moment egal. Kommando retour. Wieder ans Tau. Antonio anrufen. Truck abbestellen. Eine halbe Stunde später hängen wir wieder am Seil und schaffen es diesmal tatsächlich in einem Durchgang ins Hotel. Check-in um 1.30. Dieser Tag war noch interessanter als damals in der Mongolei.
Keiner will jetzt schlafen, gleich an die Bar, als gäbe es einen Sieg zu feiern. Morgen ist um 7.30 h Start, aber morgen ist morgen. Der Durst bringt uns konkrete Vorteile. Weil an diesem Tag mehrere Autos gestrandet sind, kommen zur späten Stunde nicht nur die Opfer, sondern auch deren Retter ins Hotel. Und so vereinbaren wir um 3.45 eine Visite mit Chefmechaniker Toby Kilmer für 7 h.

Adrenalin mit Gin Tonic. Eine aufmunternde Melange um 3.30.















Zum Glück haben sie die Tonic-Dosen zwischendurch immer abserviert.
Eine ernsthafte Sekunde mit Hans, Dani und Antonie.















Als Betthupferl gibt man uns noch mit, dass morgen später gestartet wird, weil ein Drittel des Feldes mit Problemen kämpft. Neuer Plan: Rebriefing um 8.30. Dann wird entschieden, wie morgen genau gefahren wird. Prost & Gute Nacht.

Fresst Staub, Hunde!

 
Tag 7               Santa Cruz - Sucre               488 km

Die Opferliste ist lang: Die Ayres wollen aufgeben. Der Austin Healy ist weg. Ebenso der Citroen. Fünf weitere kämpfen noch ums Überleben. Wir nicht mehr. Die Mechaniker haben am Morgen den lecken Benzinfilter einfach aus dem Spiel genommen und die Zu- und Ableitung direkt verbunden. Uns bleibt noch der zweite Filter im Heck. Das sollte reichen. Der Herr Direktor schnurrt wieder als ob nie etwas gewesen wäre
Überholen auf der Sonderprüfung Pflicht. Hier trifft es gerade Martin Egli und Thomas Kern.

 Rebriefing um 8.30. Das Programm für heute bleibt unverändert, nur die Startzeit wird auf 10.00 verschoben. Es wartet mit 488 km eine moderate Distanz. Dafür eine gedehnte Sonderprüfung bald nach dem Start. Zäher Verkehr in Santa Cruz. Gleich wieder Stress, um unsere Startzeit zu schaffen. Nach einer Stunde Powerplay gerade noch rechtzeitig gestempelt.
 
Wegen der schönen Aussicht sind wir nicht hierher gerast. Aber wenn man schon mal da ist.

Familienausflug. Schlatters vor Pohl/Peil und - mit Sicherheitsabstand - wir.
 Jetzt wird´s sportlich. 50,7 km in 40 Minuten, ein Schnitt von 76,05 km/h. Eine Petitesse zu Hause, eine Hängepartie in Bolivien. Die Berge beginnen genau jetzt. Es gibt nur eine Richtung: bergauf. Tiefe Löcher im Asphalt, wenn überhaupt Asphalt, LKWs vor und gegen uns. Dazu noch überladene Kleinbusse in beide Richtungen. Hans überholt alles, was sich bewegt. Links, rechts, Drift, rechts, links, Drift, rechts, Drift, Drift. Neben der Straße fällt der Hang lang und steil ab. Wäre nicht der Restalkohol, ich hätte Bammel. Hans dampft, schwitzt, schimpft und unterbietet die Sollzeit um zwei Minuten. Bestzeit, wie sich später heraus stellt.

Wir sind in dieser SP von 600 auf 1700 Meter Seehöhe geklettert. Der Ausblick ist schön. Er weiß nicht, ob der Schwindel von den Gin Tonics oder vom schnellen Aufstieg herrührt, pfeift Hans. Halbzeit, eine Rast tut gut. Tanken und dann gegenüber auf eine überdachte Terrasse.


Terrasse mit Aussicht. Zehn Minuten später gab´s hier keinen Platz mehr.



 



Natürlich sehr zur Freude das Juniorchefs.







 



Sonst hätte er Robert nie seine Schwestern vorgestellt.


 
 


Hier kommt so selten Strom vorbei, dass schon Gras auf den Leitungen wächst.

Alle 50-100 Kilometer ein Polizeicheck. Papiere raus, Stempel holen, Lächeln.

 
 
 
 
 
 
 
 
 Langsam sammeln sich alle hier wieder zusammen. Schnell noch einen Sack Coca-Blätter aus der Apotheke und weiter geht’s. Ursprünglich waren zwei Sonderprüfungen vorgesehen. Die zweite wurde heute Morgen vermutlich aus Mitleid abgesagt. Die Vorgabe wäre 46 km mit 74 km/Schnitt auf Schotter gewesen. Im Rückblick erscheint einem diese Vorgabe nur lächerlich.

Morgen vielleicht eine Prachtstraße, aber wir fahren heute.

Steine, Löcher, Querrinnen. Das Gruselkabinett des Dr. Mabuse.

Einer der besseren Abschnitte. Die Dritte haben wir uns dann aber doch verkniffen.

Die Straße ist schlicht eine Katastrophe. Feinste Mongolei. Wie alle Schotterwege, neben denen eine neue Autobahn gebaut wird. Anfangs schaffen wir gerade einen 20er-Schnitt, ohne überholt zu werden. Insgesamt noch 200 km. Wenn der Takt konstant bleibt, kommen wir abermals nach Mitternacht nach Hause. Am Straßenrand tauchen immer wieder gestrandete Kollegen auf. Vor allem die älteren Autos leiden. Sie schaffen auf dieser steinigen Berg- und Talbahn nicht genug Tempo, um den Kühler richtig arbeiten zu lassen. Fazit: der Motor überhitzt permanent.
Ein zwanziger Schnitt gefährdet ihr Leben und das anderer.

Ich habe keine Ahnung wie ich das Foto gemacht habe. Ich dachte, ich hätte
die ganze Zeit nur auf meine Zehen geschaut.

Billig wird die neue Autobahn nicht, aber schön zu fahren.

Das ständige Auf- und Ab nagte besonders an den Vorkriegsautos.














Fünf der älteren Modelle kehren freiwillig um und suchen sich am Weg eine Bleibe für die Nach. Jörg hat die Wahl nicht. Er schlägt sich die Rutschplatte durch und die Ölwanne auf. Warten auf die Mechaniker. Als sie eintreffen, ist es schon spät. Nach einer Stunde geben sie auf. Heute geht hier nichts mehr. Nach Sucre sind´s noch 160 km. Abschleppen um diese Uhrzeit? Aussichtlos. Also schlafen Mechaniker und Patienten irgendwo auf einer bolivianischen Schotterstraße auf 2.500 Meter Seehöhe sorgenvoll nebeneinander.


Nicht ganz die Monte-Carlo-Rallye, aber wenn man die Augen
leicht zusammendrückt, schaut´s deutlich mehr aus.

Keine Demo. Straßensperre wegen einer Sprengung.

 
 
 
 
 
 
 

Auch wir quälen uns auf dem von Steinen übersäten oder löchrigen Untergrund. Kaum erhöhen wir das Tempo, vibriert der Herr Direktor unanständig. Aber er hält dicht. Der Benzinfilter ist aus dem Kopf. Unsere Freunde fahren auch tapfer und  weitgehend schadenfrei.

Zu schön, um es mit einem Bildtext zu bekleckern.
Das Hauptproblem ist der Staub. Jedes entgegenkommende oder überholte Fahrzeug versteckt uns in einer braunen Staubglocke. Es knirscht zwischen den Zähnen. So klettern wir blind und bedächtig höher und höher, bis wir kurz vor Sucre und Mitternacht an der 3000er-Grenze kratzen.
Da hilft nur mehr  ein Blindenhund.



Das Hotel liegt direkt am Hauptplatz. Es ist 23.10. Wir verankern den Direktor direkt vor dem alten Palazzo. So fühlt sich also echte Müdigkeit an. Trotzdem noch Dinner im Hotelrestaurant. Gerade drei Tische sind von unseren Leuten besetzt. Es dürften etwa die Hälfte der Autos und der Rennleitung und alle Mechaniker fehlen. Ein Massaker. Kein Nightcup mehr, nur noch schlafen.




Montag, 25. Februar 2013

Mit Anlauf nach Bolivien

Tag 5              Dourados - Corumba               601 km

Gleich nach 30 km die erste Sonderprüfung. Der Feldweg ist breit und rot und rutschig. 55 Kilometer, wieder mit 75 km/h Schnitt. Diesmal werden wir nichts verlieren, keine einzige Sekunde. Hans ist wild entschlossen. Der Motor heult, der Direktor driftet, mein Chauffeur ist erregt. Wir nageln mit einem 90er-Schnitt durchs Ziel und schauen aus wie Sau. Jetzt erst mal eine Komplettwäsche, damit wir wieder unter die Leute können. Das Handprogramm für zehn Reales.
 
Den schärfste Gegner immer im Visier. Der Brite Steve Hyde in seiner Pagode
startet unmittelbar vor uns.
Die Streckenführung ist diesmal mäßig kreativ.

Nach der Arbeit ein ausgiebiges Schaumbad. Herr Direktor im Schönheitssalon.

Österreichische Feinarbeit mit deutscher Kennung. Weil für die Einzeltypisierung
keine Zeit mehr war, fahren wir mit Marburger Nummerntafel.
Die zweite SP einer halbe Stunde später fahren wir schon auf trockenem Boden. Ein Heimspiel. Heute keine Strafpunkte. Wir bleiben in Führung.

Mit verbogenem Querlenker heute nur mit Halbgas unterwegs.
Der Australier Reg Toohey mit seinem Camaro.
 

Schmähführen mit dem Konkurrenten.
Steve Hyde, der Sieger der Peking-Paris 2010.













Bolivien lässt schon grüßen. Vorbei mit locker-lässig-lächelnd.
Wir nähern uns sichtbar der bolivianischen Grenze. Beim Lunchstopp nur Indios, vor und hinter der Budel. Hans ist um einen Kopf größer als alle anderen im Lokal. Aber sie gucken finster, besonders nach dem Foto, mit dem ich im Vorbeigehen dreizehn Seelen einkassiert habe.


Unser Beitrag zum Schutz des Naturreservats
Pantanal. Na, wenn das nicht hilft?

Vor dem Zielort Corumba cruisen wir durch das Pantanal, eine Art Naturreservat. Faszinierende Tierwelt neben und auf der Straße. Eine Bisamratte, so groß wie ein Hund, kümmert sich nicht um uns, als wir mit 140 vorbeibrettern.


Das tägliche Nachmittagsgewitter trifft heute andere.
Vor lauter Natur haben wir übersehen, dass Tankstellen hier so rar sind wie der Jaguar. Und Herr Direktor schluckt im Tiefflug wie ein Braumeister. Es wird eng mit dem Sprit. Gott, wäre das peinlich. Die Reserveanzeige leuchtet 75 km vor der nächsten Zapfsäule auf. Benzinkanister an Bord sind in Brasilien per Gesetz verboten. Jetzt kommt uns die Erfahrung von ungezählten Economy-Rallyes zu Gute. Wir schleichen wie Seidenraupen über den glühenden Asphalt. Mit Glück finden wir schließlich einen sportlichen Sattelschlepper als Wirt. Er zieht uns in seinem Windschatten umweltschonend zur Tränke. Knapper Dank mit Hupe und Abnicken.

Am Hotelparkplatz wartet Andi schon mit zwei kühlen Skol auf uns. Das Hotel Nacional ist das erste Haus am Platz, verfügt über eine pfeilschnelle Internetverbindung und über allerlei Annehmlichkeiten, um einen Nachmittag gemütlich ausklingen zu lassen.
Für Hans ist er der Piece Brosnan von Marburg. In drei, vier Jahren wird
Robbie Peil dann auch als Dennis Quaid einchecken können.


After-work-drink am Parkplatz. Jörg Lemberg im Fachgespräch.
Am Abend klärt uns Dr. Chris (der große, denn beide Rallye-Ärzte heißen so) beim Essen im großen Saal über die Gefahren der Höhenkrankheit auf. Ich merke mir nur, dass es erst dann richtig arg wird, wenn man Schaum und Blut hustet. Darauf lassen wir es ankommen. Hans behauptet sowieso schon seit Tagen, dass die paar Tausend Meter mit zwei, drei zerkauten Kokablättern am bequemsten zu bewältigen sind.

Auf jeden Fall, rät Dr. Chris, sollen wir in den nächsten drei Tagen auf jeden Fall und komplett auf Alkohol verzichten. Aber am Weg in die Hotelbar hören wir das kaum mehr.


DACH gegen den Rest der Welt. Die deutsch-österreichisch-schweizerische
Community schwänzen den Arztvortrag.