Donnerstag, 21. Februar 2013

Der längste Tag

Tag 3               Curitiba - Foz de Iguacu              710 km

 Frühstart. Wecker um 5.45 h. Abfahrt eine Stunde später. Heute liegt die zweitlängste Etappe der Rallye plus eine Sonderprüfung vor uns. Ziel sind die mächtigen Wasserfälle von Iguacu im Dreiländereck mit Paraguay und Argentinien. Mit der Hitze der letzten Tage wird das spannend.

Kaum aus der Garage beutelt es uns auch schon. Zwölf Grad und Nieselregen. Salzkammergut im August. Das wird unser Tag. Im Auto duftet es zart nach Benzin.

Wären da nicht überall diese Palmen, fehlt nicht viel aufs Mostviertel.
Nach der Stadt kommen drei Stunden Landschaft, Ackerbau, Kukuruz und Landschaft. Der Süden Brasiliens ist landwirtschaftliches Musterland. Und wohlhabend. Modernste Traktoren im Space-Design, Mähdrescher breit wie ein Learjet. Die Menschen machen sich hier die Erde in der Tat untertan.

Habe ich übrigens schon erwähnt, dass Brasilien tolle Straßen hat?
Dafür haben die Autobahnraststätten noch Luft nach oben.


Concours d´ Elegance der Landmaschinen. Auf Südbrasiliens Straßen
fährt, was gut und teuer ist.


Keine Ahnung, ob das wirklich Affenbrotbäume sind. Aber egal,
sie stehen überall und schauen interessant aus.
Wir kommen um zweieinhalb Stunden vor unserer Sollzeit zum Start der Sonderprüfung. Mitten in der Pampa stimmt hier ausnahmsweise wirklich. Kein Wirtshaus innerhalb von zehn Kilometern, nur eine Bauerngenossenschaft nebenan, ausnahmsweise ohne Giebelkreuz. Wir fahren vorsichtig die Sonderprüfung ab, um Zeit tot zu schlagen. Ein roter Staubgürtel zieht sich durch die Felder. 32 Kilometer mit 76 km/h Schnitt sollten machbar sein.

So gemütlich zeigt sich die Sonderprüfungsstrecke bei der Probefahrt.

Und so grauslich emping sie uns nur eine Stunde später. Genau dann, als es um die Wurst ging.
Langsam kommen die anderen. Zeit für Smalltalk, dringende Reparaturen und Gags. Die deutschen Favoriten Pohl/Peil probieren ihre neue Sirene aus, die Einheimischen am Straßenrand stehen habtacht. Dann kommt das Blaulicht. Irgendwas stimmt hier nicht, spürt das Publikum.

Gut drauf in jeder Lebenslage. Vor allem dann, wenn man die Freunde
mit seiner Sirene schrecken kann.














Reifenwechsel in Brasilien. Ein Indianer, viele Häuptlinge.
















Was der Bub eben so braucht, wenn er auf Reisen geht.















Fabio Strasser-Lanz verwickelt uns in ein Gespräch. Er stammt aus Entre Rios, 150 km entfernt, und spricht eine Art Schwäbisch. Wir verstehen ihn trotzdem gut. Sein Vater heißt auch Herbert, Herbert Wendelin Strasser und kommt aus Jugoslawien. Sie sind Donauschwaben, die 1951 hierher gezogen sind. Ein ganzes Dorf voll.
Kaffeekränzchen in der Pampa. Schade, dass hier gerade kein Klavier steht.


Fabio Strasser Lanz spricht perfekt Schwäbisch.
Und sein Vater heißt auch Herbert.
Aber nicht deshalb nennen sie ihn zu Hause
den schwarzen Deutschen.
Dann geht´s los. Zuerst mit einem Gewitter, dann mit der Sonderprüfung. Was vorher Staub war, ist jetzt Seife. Was vorher einfach schien, fordert Hans jetzt Schweiß ab. Wir überholen andere Teilnehmer im Drift, weichen knapp entgegenkommenden LKWs aus und schleifen uns sieben Sekunden über der Sollzeit am Zielstrich ein. Zuerst sind wir ganz zufrieden. Als wir dann hören, dass der Porsche um eine Minute schneller war, packen wir den Whiskey aus. Im Auto riecht es nach Benzin.

Nicht völlig überraschend auf einer fünfwöchige Reise, aber wenn´s dann passiert, dann ist es doch schade.


Mein Schreibtisch am Nachmittag.
 



Freund in der Fremde.
Dieses Foto ist natürlich gestellt. Bitte sagen Sie das Ihren Kindern.
Wir fliegen tief über der Autobahn. Nur noch 400 km. Herr Direktor schnupft reihenweise LKWs und Oldtimer. Auf einmal stinkt es im Auto derart nach Sprit, dass wir gleich rechts ranfahren. Der erste Augenschein ernüchtert. Der Benzinfilter leckt. Unter dem Wagen entsteht binnen Sekunden ein beachtlicher Benzinfleck.
Die sagenumwobenen Ayres auf ihrem Itala.

Eigentlich betreibt er zu Hause in England eine gutgehende Bentley-Werkstatt
und könnte sich das Leben einfacher machen.



Aber dann treten sie doch immer wieder gerne mit ihrem Zirkusding auf.
Wir spielen die eine und andere Variante zur Lösung durch. Zwei Offizielle stoßen dazu. Sie dilettieren mit uns. Dann kommt Walter Milla. Er stammt auch aus Entre Rios und spricht wenig überraschend Schwäbisch. Walter gibt seine Meinung zu unserem Filterproblem ab. Ohne Wirkung, obwohl er zumindest ein paar Dichtringe aus seinem Wagen herausfischt.

Die erste Diagnose ist beunruhigend. Die zweite
macht zarte Gemüter depressiv.

Viel guter Wille, aber genau so wenig Expertise und Ersatzteile: Dr. Chris Lee näherte sich dem Problem
mit der Logik des Arztes.
Walter ist Spritzpilot. Das heißt, er sprüht Chemie mit seinem Flugzeug auf die Felder der Region. Sein Geschäft brummt. Der erste Flieger ist ausbezahlt, der zweite kommt demnächst. Und in Ushuaia war er auch schon, mit dem Motorrad.

Auf Anhieb ein vielversprechendes Team: Walter Milla und Hans.
Wäre da nicht dieses kleine Problem mit dem Benzinfilter.
Nach einer weiteren Stunde treffen die ersten Mechaniker ein. Den Platzregen bringen sie mit. Nach zwanzig Minuten läuft der Direktor wieder ohne zu patzen. Wir haben viel Zeit verloren. Böse Erinnerung an die Mongolei werden wach, da sind wir auch am dritten Tag in der Wüste liegen geblieben, haben die Zeitkontrolle nicht mehr geschafft und uns schlagartig zu Touristen.

Echte Hilfe kommt schließlich in Person der Mechaniker. Kein Wunder, wenn man so komplett ausgestattet ist.

Wir haben knapp drei Stunden für 275 Kilometer. Klingt einfach, ist aber aussichtlos. Zuerst wird der Regen immer heftiger. Dann fällt der Wischer auf der Fahrerseite aus. Als nächstes geht der Tripmaster ein, und schließlich arbeitet das GPS-Navi nur mehr auf Halbmast. Hans fährt mit dem Messer zwischen den Zähnen. Doppelte Sperrlinien ignorieren wir nicht mal. Keine Übertreibung, aber mindestens Hundert Autos überholen wir am Pannenstreifen. Am Schluss fahren wir bei Rot über die Kreuzung.

Das ist das Standbild. Mehr gibt aber das Video darunter her.



Drei Minuten vor dem Schlussgong stemple ich die Zeitkarte im Iguacu Resort Hotel. Schon schön, dass wir noch heil sind. Am Abend wird gefeiert, denn morgen ist schulfrei.

2 Kommentare:

  1. Burschen hopp auf! Nicht verzagen, heute ein paar kleine Servicearbeiten und dann geht's schon wieder ;-)))) Ein ganzes Land drückt euch die Daumen!!! LGCD

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  2. 1. langer Kommentar von mir anscheinend dem brasilianischem Urwalds zum Opfer gefallen und ist verschwunden.
    nicht aufgeben heißt aber auch eure Devise
    daher nochmaliger Versuch eines postings

    Angst: das war ja ganz schön knapp anscheinend .
    kann doch nicht sein dass sich die Geschichte wiederholt und ein neuerlich früher Defekt die challenge raubt.
    Vielleicht wäre ein kleiner Tipp von mir noch nützlich, bevor ihr sonst vorschnell die 70 Jungfrauen im Paradies abholen müsst:
    Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer rauchen

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