Dienstag, 19. Februar 2013

Die Spiele sind hiermit eröffnet

Tag 1               Rio de Janeiro - Maresias               550 km

Es lag nicht am minderwertigen Material seiner Uniform. Es waren die 32 Grad, die Hernans Hemd an seine Haut klebten, ohne einen trockenen Flecken frei zu lassen. Der Starter der ersten Great South American Challenge trug die Umstände mit Fassung, als er am Samstag um 8 h morgens den 1907er Itala von Karen und David Ayre einzählte und damit die Rallye beginnen ließ.

Liz Wenman und Hernan entlassen die Schweizer Top-Favoriten Martin Egli und Thomas Kern auf die Piste.
Das Rennen startet mit ungewohnter Contenance. Zum einen rechnet sich ohnehin jedes der nur 30 Teams Chancen aufs Podest aus, zum anderen dämpfte die Morgenhitze den Ehrgeiz spürbar. Der Herr Direktor wartet geputzt und geschneuzt in der Kolonne auf seinen Auftritt, geheilt von allen großen und kleinen Schmerzen.
 
Vater und Sohn Stephenson aus Australien, ebenfalls Favoriten, Der Senior hätte
vor drei Jahren mit dem 1923er Vauxhall um ein Haar die Peking-Paris gewonnen.

Nicht der Zuckerhut, aber auch nicht schlecht als Hintergrund fürs Erinnerungsfoto.

Das deutsche Favoritenteam Pohl/Peil montieren noch schnell die letzten
unerlaubten Aerodynamik-Hilfen an ihrem grimmigen Boliden.
 
Und dann der Herr Direktor, gefasst wartend hinter dem nahezu unschlagbaren Schweizer Dreamteam Schlatter und Schlatter.
Um 8.56 beginnt für uns die Reise. Der Direktor schnurrt los als müsste er zur Vorstandssitzung. Bald steht fest: Brasilien hat nicht nur gute Kicker, sondern auch makellose Straßen. Hans´ präzise Befehle verpuffen erstmals nach 50 km. Stau. Zehn Minuten schauen wir in die verschlafenen Gesichter anderer Autofahrer. Am Ende der Schlange schwitzen zwei Rallyekollegen am ersten Fahrstreifen mit offener Motorhaube. Kein SOS-Schild draußen, also brausen wir weiter Richtung Sao Paolo. 
 
Die ersten dreißig Kilometer eine Zuckerhutkopie nach der anderen.

Stop! Aber wirklich.
Unser erster Stau in Brasilien. Am Ende der Schlange entpuppten
sich zwei Rallye-Kollegen als die Verursacher der Mühsal.





Kein Roadbook ist ihm zu langweilig, kein Kompass zu rund.
Das macht den begnadeten Beifahrer aus.








Keine dreißig Minuten später der nächste Stau. Diesmal etwas länger und fatal. Schwerer Unfall. Ganz frisch. Polizei organisiert das Drama. Ein Wagen liegt am Dach, Koffer und anderes Gepäck rundherum verstreut. Und am Straßenrand eine Leiche, abgedeckt mit Alufolie.
 
Der zweite Stau in Brasilien.
Die Ursache ist diesmal nicht so harmlos.



Ein schwerer Unfall, nur Minuten bevor wir vorbeikommen. Mehrfacher Überschlag, das Gepäck wild verstreut. Am Straßenrand liegt ein abgedeckter Körper.
Das Pfeifen verfliegt. Die Worte auch. Wir rollen dahin voller Gedanken. Erst die erste und einzige Sonderprüfung des Tages holt uns aus der Kopfstarre. Gleichmäßigkeit ist gefordert. Auf 55 Kilometern sechs Markierungen, die man mit der jeweils geforderten Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen muss. Nichts Neues. Nach einer knappen Stunde treffen wir punktgenau das Ziel. Null Sekunden Abweichung. Das hatte wir noch nie über eine solche Distanz. Der Stimmung tut´s gut.

Viel Landschaft und tolle Straßen. Brasilien halt.

Nur damit klar ist, wo wir gerade sind.


Schweizer Boxenstopp. Wo sind de Mechaniker, wo die kalten Drinks?



Österreichischer Boxenstopp. Wo ist der Fahrer?

 
 
Noch mehr Märchenwelt, noch mehr Traumstraßen.

Noch besser wird sie, als wir bald darauf Andi und Robert einholen. Kurzes Unterredung am Straßenrand. Der unvermeidliche Reise-Whiskey (diesmal ein 16-jähriger Malt von Isle of Jura) will aber nicht schmecken. Liegt etwas an den mittlerweile 37 Grad, viel mehr noch an der Null-Toleranz-Strategie der brasilianischen Polizei. Es gilt Nullkommanull am Steuer. Nicht als Empfehlung, das Limit wird knallhart eingefordert. Bei 0,1 wird das Auto beschlagnahmt. Wir stoßen wir lieber mit dem warmen Cola an.
 
Die achtzehnte von insgesamt zweiunddreißig Buchten am Weg.
 
Deutsch-österreichische Freundschaft. Am Schuhwerk erkennt man die wahren Absichten. Und echt keine Ahnung, warum uns die Einheimischen immer wieder lange Hosen verkaufen wollen.
Nach 500 km stellen sich erste Auflösungserscheinung ein. Autos ohne Klimaanlage, wir hatten sie schon fast vergessen. Kindheitserinnerungen werden wach. Die Hitze nagt an der Fassade und an der Moral. Nur noch schnell nach Haus, ins Hotel, vorbei an unzähligen Stränden, an den Tausenden Nackten, die nahe dem Wasser an diesem Sommertag das Beste aus den Umständen machen.

Zu Hause ist für uns heute Maresias, ein kleiner Badeort nahe Sao Paolo. Er gilt als eines der besten Surfreviere Brasiliens. Uns jedoch alles egal, Hauptsache bald ins kühlende Wasser.



Vielleicht liegt´s doch am Stoff der Uniform.
Chefarzt Chris Lee bei einem schweißtreibenden Nebenjob.
 
Irgendwann hat man dann auch genug vom Paradies.
Das Wasser des Hotelpools könnte aus Loipersdorf kommen. Körpertemperatur. Und das liegt ganz sicher nicht an den vielen Kindern. Nicht, oder? Wir laufen runter zum Meer und ohne Bremsen in die Wellen. Sie sind tatsächlich mächtig - und auch ziemlich warm.

In Wien schneit es, sagt Hans.

Die Zielkurve. Nach achteinhalb Stunden in der Sauna kommt jetzt gleich der Aufguss.

1 Kommentar:

  1. Burschen aus den alten Welten, ihr seid echte Helden!!! Fällt mir nicht leicht das mit 3 Rufzeichen zu betonen (Neiiid), aber ich glaube dem präsumtiven Sieger (is des Wort schweinisch?) kann man das nicht verweheren!!!!

    AntwortenLöschen