Die Opferliste ist lang: Die Ayres wollen aufgeben. Der
Austin Healy ist weg. Ebenso der Citroen. Fünf weitere kämpfen noch ums
Überleben. Wir nicht mehr. Die Mechaniker haben am Morgen den lecken Benzinfilter
einfach aus dem Spiel genommen und die Zu- und Ableitung direkt verbunden. Uns
bleibt noch der zweite Filter im Heck. Das sollte reichen. Der Herr Direktor
schnurrt wieder als ob nie etwas gewesen wäre
| Überholen auf der Sonderprüfung Pflicht. Hier trifft es gerade Martin Egli und Thomas Kern. |
Rebriefing um 8.30. Das Programm für heute bleibt
unverändert, nur die Startzeit wird auf 10.00 verschoben. Es wartet mit 488 km
eine moderate Distanz. Dafür eine gedehnte Sonderprüfung bald nach dem Start. Zäher
Verkehr in Santa Cruz. Gleich wieder Stress, um unsere Startzeit zu schaffen. Nach
einer Stunde Powerplay gerade noch rechtzeitig gestempelt.
| Wegen der schönen Aussicht sind wir nicht hierher gerast. Aber wenn man schon mal da ist. |
| Familienausflug. Schlatters vor Pohl/Peil und - mit Sicherheitsabstand - wir. |
Langsam
sammeln sich alle hier wieder zusammen. Schnell noch einen Sack Coca-Blätter
aus der Apotheke und weiter geht’s. Ursprünglich waren zwei Sonderprüfungen vorgesehen.
Die zweite wurde heute Morgen vermutlich aus Mitleid abgesagt. Die Vorgabe wäre
46 km mit 74 km/Schnitt auf Schotter gewesen. Im Rückblick erscheint einem
diese Vorgabe nur lächerlich.
| Morgen vielleicht eine Prachtstraße, aber wir fahren heute. |
| Steine, Löcher, Querrinnen. Das Gruselkabinett des Dr. Mabuse. |
| Einer der besseren Abschnitte. Die Dritte haben wir uns dann aber doch verkniffen. |
Die Straße ist schlicht eine Katastrophe. Feinste Mongolei. Wie
alle Schotterwege, neben denen eine neue Autobahn gebaut wird. Anfangs schaffen
wir gerade einen 20er-Schnitt, ohne überholt zu werden. Insgesamt noch 200 km.
Wenn der Takt konstant bleibt, kommen wir abermals nach Mitternacht nach Hause.
Am Straßenrand tauchen immer wieder gestrandete Kollegen auf. Vor allem die
älteren Autos leiden. Sie schaffen auf dieser steinigen Berg- und Talbahn nicht
genug Tempo, um den Kühler richtig arbeiten zu lassen. Fazit: der Motor
überhitzt permanent.
| Ein zwanziger Schnitt gefährdet ihr Leben und das anderer. |
| Ich habe keine Ahnung wie ich das Foto gemacht habe. Ich dachte, ich hätte die ganze Zeit nur auf meine Zehen geschaut. |
| Billig wird die neue Autobahn nicht, aber schön zu fahren. |
| Das ständige Auf- und Ab nagte besonders an den Vorkriegsautos. |
Fünf der älteren Modelle kehren freiwillig um und suchen sich am Weg eine Bleibe für die Nach. Jörg hat die Wahl nicht. Er schlägt sich die Rutschplatte durch und die Ölwanne auf. Warten auf die Mechaniker. Als sie eintreffen, ist es schon spät. Nach einer Stunde geben sie auf. Heute geht hier nichts mehr. Nach Sucre sind´s noch 160 km. Abschleppen um diese Uhrzeit? Aussichtlos. Also schlafen Mechaniker und Patienten irgendwo auf einer bolivianischen Schotterstraße auf 2.500 Meter Seehöhe sorgenvoll nebeneinander.
| Nicht ganz die Monte-Carlo-Rallye, aber wenn man die Augen leicht zusammendrückt, schaut´s deutlich mehr aus. |
| Keine Demo. Straßensperre wegen einer Sprengung. |
Auch wir quälen uns auf dem von Steinen übersäten oder löchrigen Untergrund. Kaum erhöhen wir das Tempo, vibriert der Herr Direktor unanständig. Aber er hält dicht. Der Benzinfilter ist aus dem Kopf. Unsere Freunde fahren auch tapfer und weitgehend schadenfrei.
| Zu schön, um es mit einem Bildtext zu bekleckern. |
| Da hilft nur mehr ein Blindenhund. |
Das Hotel liegt direkt am Hauptplatz. Es ist 23.10. Wir verankern
den Direktor direkt vor dem alten Palazzo. So fühlt sich also echte Müdigkeit
an. Trotzdem noch Dinner im Hotelrestaurant. Gerade drei Tische sind von
unseren Leuten besetzt. Es dürften etwa die Hälfte der Autos und der Rennleitung
und alle Mechaniker fehlen. Ein Massaker. Kein Nightcup mehr, nur noch schlafen.
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