Mittwoch, 27. Februar 2013

Fresst Staub, Hunde!

 
Tag 7               Santa Cruz - Sucre               488 km

Die Opferliste ist lang: Die Ayres wollen aufgeben. Der Austin Healy ist weg. Ebenso der Citroen. Fünf weitere kämpfen noch ums Überleben. Wir nicht mehr. Die Mechaniker haben am Morgen den lecken Benzinfilter einfach aus dem Spiel genommen und die Zu- und Ableitung direkt verbunden. Uns bleibt noch der zweite Filter im Heck. Das sollte reichen. Der Herr Direktor schnurrt wieder als ob nie etwas gewesen wäre
Überholen auf der Sonderprüfung Pflicht. Hier trifft es gerade Martin Egli und Thomas Kern.

 Rebriefing um 8.30. Das Programm für heute bleibt unverändert, nur die Startzeit wird auf 10.00 verschoben. Es wartet mit 488 km eine moderate Distanz. Dafür eine gedehnte Sonderprüfung bald nach dem Start. Zäher Verkehr in Santa Cruz. Gleich wieder Stress, um unsere Startzeit zu schaffen. Nach einer Stunde Powerplay gerade noch rechtzeitig gestempelt.
 
Wegen der schönen Aussicht sind wir nicht hierher gerast. Aber wenn man schon mal da ist.

Familienausflug. Schlatters vor Pohl/Peil und - mit Sicherheitsabstand - wir.
 Jetzt wird´s sportlich. 50,7 km in 40 Minuten, ein Schnitt von 76,05 km/h. Eine Petitesse zu Hause, eine Hängepartie in Bolivien. Die Berge beginnen genau jetzt. Es gibt nur eine Richtung: bergauf. Tiefe Löcher im Asphalt, wenn überhaupt Asphalt, LKWs vor und gegen uns. Dazu noch überladene Kleinbusse in beide Richtungen. Hans überholt alles, was sich bewegt. Links, rechts, Drift, rechts, links, Drift, rechts, Drift, Drift. Neben der Straße fällt der Hang lang und steil ab. Wäre nicht der Restalkohol, ich hätte Bammel. Hans dampft, schwitzt, schimpft und unterbietet die Sollzeit um zwei Minuten. Bestzeit, wie sich später heraus stellt.

Wir sind in dieser SP von 600 auf 1700 Meter Seehöhe geklettert. Der Ausblick ist schön. Er weiß nicht, ob der Schwindel von den Gin Tonics oder vom schnellen Aufstieg herrührt, pfeift Hans. Halbzeit, eine Rast tut gut. Tanken und dann gegenüber auf eine überdachte Terrasse.


Terrasse mit Aussicht. Zehn Minuten später gab´s hier keinen Platz mehr.



 



Natürlich sehr zur Freude das Juniorchefs.







 



Sonst hätte er Robert nie seine Schwestern vorgestellt.


 
 


Hier kommt so selten Strom vorbei, dass schon Gras auf den Leitungen wächst.

Alle 50-100 Kilometer ein Polizeicheck. Papiere raus, Stempel holen, Lächeln.

 
 
 
 
 
 
 
 
 Langsam sammeln sich alle hier wieder zusammen. Schnell noch einen Sack Coca-Blätter aus der Apotheke und weiter geht’s. Ursprünglich waren zwei Sonderprüfungen vorgesehen. Die zweite wurde heute Morgen vermutlich aus Mitleid abgesagt. Die Vorgabe wäre 46 km mit 74 km/Schnitt auf Schotter gewesen. Im Rückblick erscheint einem diese Vorgabe nur lächerlich.

Morgen vielleicht eine Prachtstraße, aber wir fahren heute.

Steine, Löcher, Querrinnen. Das Gruselkabinett des Dr. Mabuse.

Einer der besseren Abschnitte. Die Dritte haben wir uns dann aber doch verkniffen.

Die Straße ist schlicht eine Katastrophe. Feinste Mongolei. Wie alle Schotterwege, neben denen eine neue Autobahn gebaut wird. Anfangs schaffen wir gerade einen 20er-Schnitt, ohne überholt zu werden. Insgesamt noch 200 km. Wenn der Takt konstant bleibt, kommen wir abermals nach Mitternacht nach Hause. Am Straßenrand tauchen immer wieder gestrandete Kollegen auf. Vor allem die älteren Autos leiden. Sie schaffen auf dieser steinigen Berg- und Talbahn nicht genug Tempo, um den Kühler richtig arbeiten zu lassen. Fazit: der Motor überhitzt permanent.
Ein zwanziger Schnitt gefährdet ihr Leben und das anderer.

Ich habe keine Ahnung wie ich das Foto gemacht habe. Ich dachte, ich hätte
die ganze Zeit nur auf meine Zehen geschaut.

Billig wird die neue Autobahn nicht, aber schön zu fahren.

Das ständige Auf- und Ab nagte besonders an den Vorkriegsautos.














Fünf der älteren Modelle kehren freiwillig um und suchen sich am Weg eine Bleibe für die Nach. Jörg hat die Wahl nicht. Er schlägt sich die Rutschplatte durch und die Ölwanne auf. Warten auf die Mechaniker. Als sie eintreffen, ist es schon spät. Nach einer Stunde geben sie auf. Heute geht hier nichts mehr. Nach Sucre sind´s noch 160 km. Abschleppen um diese Uhrzeit? Aussichtlos. Also schlafen Mechaniker und Patienten irgendwo auf einer bolivianischen Schotterstraße auf 2.500 Meter Seehöhe sorgenvoll nebeneinander.


Nicht ganz die Monte-Carlo-Rallye, aber wenn man die Augen
leicht zusammendrückt, schaut´s deutlich mehr aus.

Keine Demo. Straßensperre wegen einer Sprengung.

 
 
 
 
 
 
 

Auch wir quälen uns auf dem von Steinen übersäten oder löchrigen Untergrund. Kaum erhöhen wir das Tempo, vibriert der Herr Direktor unanständig. Aber er hält dicht. Der Benzinfilter ist aus dem Kopf. Unsere Freunde fahren auch tapfer und  weitgehend schadenfrei.

Zu schön, um es mit einem Bildtext zu bekleckern.
Das Hauptproblem ist der Staub. Jedes entgegenkommende oder überholte Fahrzeug versteckt uns in einer braunen Staubglocke. Es knirscht zwischen den Zähnen. So klettern wir blind und bedächtig höher und höher, bis wir kurz vor Sucre und Mitternacht an der 3000er-Grenze kratzen.
Da hilft nur mehr  ein Blindenhund.



Das Hotel liegt direkt am Hauptplatz. Es ist 23.10. Wir verankern den Direktor direkt vor dem alten Palazzo. So fühlt sich also echte Müdigkeit an. Trotzdem noch Dinner im Hotelrestaurant. Gerade drei Tische sind von unseren Leuten besetzt. Es dürften etwa die Hälfte der Autos und der Rennleitung und alle Mechaniker fehlen. Ein Massaker. Kein Nightcup mehr, nur noch schlafen.




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