Mittwoch, 20. Februar 2013

Little Deutschland

Tag 2               Maresias - Curitiba               572 km

Ein goldener Morgen. Gestern waren alle brav im Hotel geblieben. Nach der Jause, ein paar Bieren und zwei ausführlichen Vorträgen zur Inkompetenz der Schweizer Finanzmarktaufsicht sind alle bleiern ins Bett gerutscht. Wegen der Umstellung auf die Winterzeit durften wir dann noch eine Stunde länger schlafen.


Sonnenbrand fahrerseitig.

 













An das heftige Nachtgewitter erinnern nur nasses Gras und kühle, frische Luft. Wir starten entspannt bei Sonnenschein um 7.56 h und verkrampfen uns gleich acht Kilometer später. Wieder ein Unfall, wieder ein abgedeckter Körper, offenbar ein Kind. Zwei Verkehrstote in zwei Tagen. Das Frühstück bewegt sich im Magen. 50 km Schweigen.

 

Das Geschäftsmodell ist simpel. Nur ein Produkt, nur ein Preis. Kein Rabatt.
Es geht flott dahin. Lange Autobahnstücke, die der Herr Direktor mit 150 Sachen wegputzt. Dazwischen aber immer wieder Dörfer, und das frisst Zeit. Vor allem weil der Erfinder der Straßenschwelle Brasilianer gewesen sein muss. Pro Ort mindestens fünf, gefühlte 40 cm hoch. Wenigstens wird jede Schwelle mit vier enormen Warnschildern angekündigt.


Der Erfinder der Straßenschwelle muss Brasilianer gewesen sein.



Man kann es nicht genug oft sagen: Brasilien hat einfach geile Straßen.

Der beste Sprit des Landes heißt Podium und ist
nur bei der staatlichen Ölfirma zu beziehen.













Könnte locker auch im Zillertal-Prospekt abgedruckt werden.
Um elf haben wir die halbe Strecke hinter uns. Wir sehen uns schon frisch geduscht und manikürt an der Bar des Radisson Curitiba, wäre da nicht Jörg Lemberg gewesen. Am Rand einer dreispurigen Autobahn treffen wir auf Antonio, seinen Beifahrer. Er fuchtelt wild. Wir drehen bei und begutachten das Malheur. Kurz darauf finden sich auch Pohl/Peil und die Schlatters im OP-Saal ein. Operiert wird Jörgs Dreieinhalb-Liter-Kraftwerk, das in einem eleganten 280er-Coupé steckt. Ein wuchtiges Ding, nicht oft entwickeln Mensch und Maschine eine solche Harmonie. 

Die Bruderhilfe nützte bestenfalls emotional.  

Wo ist das Wursti?
Gestern ist ihm schon ein Kabel durchgebrannt. Heute der gleichen Schaden spiegelverkehrt. Ein Problem mit der Elektrik lässt den Wagen nicht anspringen. Der Starter müht sich vergeblich. Die Kabel schmoren ein erstes Mal. Keiner weiß woher, aber irgendwie hat sich ein stiller Einheimischer unter uns gemischt und das Kommando unter der aufgeklappten Motorhaube übernommen. Er kürzt wortlos die Kabel und entfernt die verbrannten Teile. Neuer Versuch, noch mehr Rauch. Die Diagnosen aller Umstehenden lassen Schlimmes befürchten. Die Rallye-Mechaniker sind informiert und am Weg. Und wir müssen weiter, haben ja was zu tun in Curitiba.


Wo er plötzlich herkam, wusste niemand so recht. Auf einmal war er da, übernahm das Kommando .... und brachte auch nicht die Lösung.



Eine Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern, etwas westlich von Sao Paolo, gesegnet mit Industrie und einem hohen Anteil an deutschen Zuwanderer. Das Blond kommt nicht nur vom Friseur. Die Werbetafeln preisen Namen wie Weber, Langhans oder Dautzenhoff an. Little Deutschland mit Palmen.

Curitiba ist keine liebliche Stadt, aber man spürt die Kraft. Und das Radisson passt vorzüglich hierher, ein solides, modernes Businesshotel. Aber riskant. Thomas, dem Beifahrer von Martin Egli, wird die Reisetasche gestohlen, während er eincheckt. Alles weg, Pass, Geld, Roadbook. Ein Desaster. Die beiden können sich dann die Rekonstruktion des Tathergangs sparen. Die Videokameras des Hotels haben alles sauber festgehalten. Zwei Täter, gut erkennbar. Thomas in einer verzichtbaren Nebenrolle.


Die Visitenkarte unseres Direktors ...



... und sein Kraftzentrum. Sechs Zylinder liefern zuverlässig rund 200 PS..
 
Draußen fließt der Regen. Es kühlt ab. Ein Sweater, am Morgen noch undenkbar, wird zum Freund. Dinner in einer Churrasceria mit gewaltigen Ausmaßen, das Maracana unter den Restaurants. Für 19 Euro pro Person wird uns dann alle fünf Minuten ein neues Fleischstück auf den Teller geschnitten. Nach mehr als zwei Stunden dieses gegrillten Traums rollen wir geschmeidig ins Hotel zurück. Kein Absacker an der Bar, morgen geht´s ganz früh los.

Curitiba empfing uns mit finsterer Mine. Nütze nichts, wir kamen trotzdem.



 
 
 
 

1 Kommentar:

  1. feine sache, viel spass & freude jungs, äh herren!
    ps: herbie, solltest mehr schreiben, chapeau

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