Freitag, 15. Februar 2013

Rio zum Aufwärmen

Tag 0               Rio de Janeiro               0 km


Die Karnevalsprinzessin war ein Mann. Aus der Ferne hat sie noch unseren Puls beschleunigt. Jetzt, als sie mit ihrer Entourage vorbei tanzt, trägt sie Bartstoppel. Ein kleiner Dämpfer in der Stadt unter dem flehenden Jesus.

Wer am Faschingsdienstag frühmorgens in Rio landet, kann leicht glauben, die Stadt sei evakuiert worden. Man trifft ein paar Uniformierte, aber die Menschen fehlen. Die Geschäfte sind geschlossen. Leere bei 33 Grad.

Morgenruhe an der Copacabana. Und ein Mann geht seinen Weg....



....er geht einfach seinen Weg und sucht Antworten....






.... und sucht Antworten....



.... und findet sie schließlich.














Die Schleusen öffnen sich zu Mittag. Und wie. Zuerst füllt sich der Strand an der Copacabana, dann beginnt der Wirbel in den Straßen. Acht von zehn sind verkleidet. Die zwei anderen sind Touristen. Hinter jeder Ecke irgendwie Musik. Unversehens stehen wir mit drin. Gerade entstand ein Karnevalszug in der Nebenstraße
praktisch aus dem Nichts, umspült uns wie eine bunte Lawine und zieht weiter Richtung Copacabana. Gleich dahinter ein Putztrupp der Stadt, auch bemalt. Ein Waldviertler und ein Burgenländer in Rio, mit kurzen Hosen und großen Augen.




Der Chef fragte uns, ob sein Franchisekonzept in Österreich
funktionieren würde. Wir wussten nicht so recht.
Wir haben noch drei Tage bis zum Start der Rallye und viel zu erledigen. Aber weil heute in dieser Stadt sowieso nichts geht, machen wir eben auch auf Karneval. Die Tickets fürs Sambadrom, dem weltberühmten Samba-Stadion, sind alle weg (obwohl mit ein paar Hundert Euro pro Sitzplatz recht sportlich kalkuliert), deshalb schickt uns der Concierge abends in den Stadtteil Lapa.

Endlich ein Hotel mit richtigem Meerblick.



 
















Mehr haben wir nicht gebraucht. Hier gehe heute noch ein letztes Mal die Post ab, hat es geheißen. Was für eine Untertreibung. Rio hat zwölf Millionen Einwohner, und die Hälfte davon scheint jetzt hier zu sein. Die Luft kocht. Gedränge bei 36 Grad.


Die Karnevalsprinzessin war ein Mann. So what.
Hans steht eine kleine Schweißperle auf der Nase. Sie kann von den zwei geräumigen Caipirinhas kommen, die wir uns für fünf Reales (ein Euro neunzig) der Becher genehmigt haben. Vielleicht sind wir auch etwas overdressed. Die Leute haben wenig an, sehr wenig. Offenbar sind wir die zwei einzigen mit (jetzt) langen Hosen in diesem Meer von Nacktheit.
Manche Sambaprinzessinnen haben über Wochen an ihrem Kostüm gefeilt. Einige mit weniger Erfolg.

 
Der Frauenanteil liegt angenehm hoch, gefühlte 80 Prozent. Was nicht zuletzt an der Begeisterung liegt, mit der sich Rios Herren in schrille Schlampen verwandeln. In manchen Straßen treffen wir überhaupt nur geschminkte Männer. Was die Lage von zwei bleichen Gringos um diese Tageszeit nicht gerade verbessert. Allen Verlockungen zum Trotz verlassen wir die Party dann doch gemeinsam, nicht Hand in Hand, aber wieder einmal froh, dass wir einander haben.



Viel Alkohol, wenig Gewand. Kein Wunder, dass der Karneval in Rio die Gassen füllt.


Nach echten Frauen muss man beim Karneval in Lapa suchen. Auf diesem Foto vergeblich.
Der Aschermittwoch ist in Rio ein Feiertag. Keine Leute in den Straßen, keine Geschäfte offen, alle Strände voll. Nur wir arbeiten. Zuerst kommt der Herr Direktor in die Werkstatt. Er bekommt dort einen neuen Tank und zwei neue stramme Federn ins Heck. Soweit war alles geplant. Nicht geplant war der fehlende Benzindruck.


Geschäft & Schmerz in der Garage: Robert macht
gerade eine Million, Andi wird gerade krank.




Schaut hier gerade nicht so aus, aber die Jungs
 wussten wirklich, was sie tun.

Freund Andi und sein Mongole schleppen den Direktor ins Hotel zurück. Hans gibt dort eine Talentprobe seiner Mechanikerkunst und erntet dafür unverdient zwei satte Benzinduschen. Das Problem lebt weiter. Die Stimmung sinkt bis zum Abend. Dann großes Wiedersehen mit alten Weggefährten aus Peking: Rabia und Dani, Jörg, Andi, Robert und Martin. Dinner an der Lagune, für alle, nur nicht für Andi. Der liegt mit einer Entzündung im Bett. In unserem Zimmer riecht´s nach Benzin.


Deutsch-schweizerische Freundschaft:
die Klassengegner Robert Peil und Daniel Schlatter



Kein Witz, aber bei diesem Gespräch ging es tatsächlich um Kunst:
Andi Pohl (links) und Jörg Lemberg (rechts)
Donnerstag ist Hektiktag. Herr Direktor muckt weiter. Hans holt sich wieder eine Benzindusche. Den Benzindruck bleibt aus. Dani ist bereit, sich von seiner Ersatzbenzinpumpe zu trennen, falls gar nichts anderes mehr helfen sollte. Doch dann kommen die Mechaniker des Veranstalters. Zauberer unter dem Zuckerhut. Nach einer Stunde schnurrt der Herr Direktor wie ein Tiger.


Bis zur Erschöpfung im Kampf gegen die Technik. Und am Ende gewonnen.
Meister Hans beim Sieger-Nap.
Gerade rechtzeitig zum Welcome-Cocktail am Hotelpool. Wieder Wiedersehensfeier mit den alten Weggefährten. Andi geht´s besser. Er bekommt jetzt schon alkoholfreies Bier.


Der Blick aus dem Hotelzimmer im Sheraton.
Eine farbenfrohe Favella als Nachbar.













Gleiches Zimmer, halbe Drehung links. Der weltberühmte Strand von Ipanema.






















Der Freitag verläuft wie ein echter Freitag. Am frühen Nachmittag ist die Luft draußen. Letzte Kosmetik am Auto, Startnummern, Namenspickerl und nicht zuletzt die Sponsorenkleber (die Allianz Versicherung hat weitblickend unser Projekt wieder mit etwas Budget aus dem Talentefördertopf unterstützt). Der Herr Direktor ist startklar. Am Abend Galadinner am Pool. Alte Weggefährten. Frühschluss. Morgen geht´s endlich los.


Alle paletti, alles gut. Der Herr Direktor mit den beiden Mitarbeitern ist startklar.






















2 Kommentare:

  1. Welcome to Brasil
    Hallo Ihr 2
    Blog schon sehnlichst erwartet

    Ich dachte ihr entkommt dem Karnevalstreibent sowieso nicht und vorher gesammelte Postkarten werden uns eine potiemkische Rallye vorgaukeln.
    Nein, Spass beiseite. Es ist herrlich bei euren kleinen Geschichten wieder mitleben zu dürfen, als ob man selbst im Direktor sitzen würde.
    Dass dieser pensionierte Direktor mit zwei ebenso sesselklebenden Vorstandsvorsitzenden
    gute Fortschritte machen wird, scheint diesmal von mehr Hoffung getragen, als beim Indianer, der mir persönlich aber doch mehr Spirit vermittelt hat- wie überhaupt- wie zumindest auf den ersten Fotos- ersichtlich dort mehrere Restln der Stuttgarter Pferdeschmiede unterwegs sein dürfte.
    Aber solange die in Kuba noch ältere Schinken am Laufen halten wird die deutsche Wertarbeit doch noch locker mithalten können.
    Zur Siegerehrung, bei der ihr vermutlich ganz oben auf dem Treppchen zu finden seid, werde ich vermutlich nicht kommen, mir ist der Flughafen schon zu weit weg.
    Forza, Forza boys
    AND GOOD LUCK SO FAR

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  2. Großartiger Blog und herrliche Reisegeschichten. I'm loving it!
    Ich freu mich täglich auf die nächste Etappen-Beschreibung und halte euch Dreien (inkl. Direktor) die Daumen.
    Immer voll am Gas!
    Gebhard

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