Die Karnevalsprinzessin war ein Mann. Aus der Ferne hat sie noch unseren Puls beschleunigt. Jetzt, als sie mit ihrer Entourage vorbei tanzt, trägt sie Bartstoppel. Ein kleiner Dämpfer in der Stadt unter dem flehenden Jesus.
Wer am Faschingsdienstag frühmorgens in Rio landet, kann leicht glauben, die Stadt sei evakuiert worden. Man trifft ein paar Uniformierte, aber die Menschen fehlen. Die Geschäfte sind geschlossen. Leere bei 33 Grad.
| Morgenruhe an der Copacabana. Und ein Mann geht seinen Weg.... |
| ....er geht einfach seinen Weg und sucht Antworten.... |
| .... und sucht Antworten.... |
| .... und findet sie schließlich. |
Die Schleusen öffnen sich zu Mittag. Und wie. Zuerst füllt sich der Strand an der Copacabana, dann beginnt der Wirbel in den Straßen. Acht von zehn sind verkleidet. Die zwei anderen sind Touristen. Hinter jeder Ecke irgendwie Musik. Unversehens stehen wir mit drin. Gerade entstand ein Karnevalszug in der Nebenstraße
praktisch aus dem Nichts, umspült uns wie eine bunte Lawine und zieht weiter Richtung Copacabana. Gleich dahinter ein Putztrupp der Stadt, auch bemalt. Ein Waldviertler und ein Burgenländer in Rio, mit kurzen Hosen und großen Augen.
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| Der Chef fragte uns, ob sein Franchisekonzept in Österreich funktionieren würde. Wir wussten nicht so recht. |
Wir haben noch drei Tage bis zum Start der Rallye und viel zu erledigen. Aber
weil heute in dieser Stadt sowieso nichts geht, machen wir eben auch
auf Karneval. Die Tickets fürs Sambadrom, dem weltberühmten
Samba-Stadion, sind alle weg (obwohl mit ein paar Hundert Euro pro Sitzplatz
recht sportlich kalkuliert), deshalb schickt uns der Concierge abends in
den Stadtteil Lapa.
Mehr haben wir nicht gebraucht. Hier gehe heute noch ein letztes Mal die Post ab, hat es geheißen. Was für eine Untertreibung. Rio hat zwölf Millionen Einwohner, und die Hälfte davon scheint jetzt hier zu sein. Die Luft kocht. Gedränge bei 36 Grad.
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| Die Karnevalsprinzessin war ein Mann. So what. |
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| Manche Sambaprinzessinnen haben über Wochen an ihrem Kostüm gefeilt. Einige mit weniger Erfolg. |
Der Frauenanteil liegt angenehm hoch, gefühlte 80 Prozent. Was nicht zuletzt an der Begeisterung liegt, mit der sich Rios Herren in schrille Schlampen verwandeln. In manchen Straßen treffen wir überhaupt nur geschminkte Männer. Was die Lage von zwei bleichen Gringos um diese Tageszeit nicht gerade verbessert. Allen Verlockungen zum Trotz verlassen wir die Party dann doch gemeinsam, nicht Hand in Hand, aber wieder einmal froh, dass wir einander haben.
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| Viel Alkohol, wenig Gewand. Kein Wunder, dass der Karneval in Rio die Gassen füllt. |
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| Nach echten Frauen muss man beim Karneval in Lapa suchen. Auf diesem Foto vergeblich. |
Freund Andi und sein Mongole schleppen den Direktor ins Hotel zurück. Hans gibt dort eine Talentprobe seiner Mechanikerkunst und erntet dafür unverdient zwei satte Benzinduschen. Das Problem lebt weiter. Die Stimmung sinkt bis zum Abend. Dann großes Wiedersehen mit alten Weggefährten aus Peking: Rabia und Dani, Jörg, Andi, Robert und Martin. Dinner an der Lagune, für alle, nur nicht für Andi. Der liegt mit einer Entzündung im Bett. In unserem Zimmer riecht´s nach Benzin.
| Kein Witz, aber bei diesem Gespräch ging es tatsächlich um Kunst: Andi Pohl (links) und Jörg Lemberg (rechts) |
| Bis zur Erschöpfung im Kampf gegen die Technik. Und am Ende gewonnen. Meister Hans beim Sieger-Nap. |
| Der Blick aus dem Hotelzimmer im Sheraton. Eine farbenfrohe Favella als Nachbar. |
| Gleiches Zimmer, halbe Drehung links. Der weltberühmte Strand von Ipanema. |
Der Freitag verläuft wie ein echter Freitag. Am frühen Nachmittag ist die Luft draußen. Letzte Kosmetik am Auto, Startnummern, Namenspickerl und nicht zuletzt die Sponsorenkleber (die Allianz Versicherung hat weitblickend unser Projekt wieder mit etwas Budget aus dem Talentefördertopf unterstützt). Der Herr Direktor ist startklar. Am Abend Galadinner am Pool. Alte Weggefährten. Frühschluss. Morgen geht´s endlich los.
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| Alle paletti, alles gut. Der Herr Direktor mit den beiden Mitarbeitern ist startklar. |









Welcome to Brasil
AntwortenLöschenHallo Ihr 2
Blog schon sehnlichst erwartet
Ich dachte ihr entkommt dem Karnevalstreibent sowieso nicht und vorher gesammelte Postkarten werden uns eine potiemkische Rallye vorgaukeln.
Nein, Spass beiseite. Es ist herrlich bei euren kleinen Geschichten wieder mitleben zu dürfen, als ob man selbst im Direktor sitzen würde.
Dass dieser pensionierte Direktor mit zwei ebenso sesselklebenden Vorstandsvorsitzenden
gute Fortschritte machen wird, scheint diesmal von mehr Hoffung getragen, als beim Indianer, der mir persönlich aber doch mehr Spirit vermittelt hat- wie überhaupt- wie zumindest auf den ersten Fotos- ersichtlich dort mehrere Restln der Stuttgarter Pferdeschmiede unterwegs sein dürfte.
Aber solange die in Kuba noch ältere Schinken am Laufen halten wird die deutsche Wertarbeit doch noch locker mithalten können.
Zur Siegerehrung, bei der ihr vermutlich ganz oben auf dem Treppchen zu finden seid, werde ich vermutlich nicht kommen, mir ist der Flughafen schon zu weit weg.
Forza, Forza boys
AND GOOD LUCK SO FAR
Großartiger Blog und herrliche Reisegeschichten. I'm loving it!
AntwortenLöschenIch freu mich täglich auf die nächste Etappen-Beschreibung und halte euch Dreien (inkl. Direktor) die Daumen.
Immer voll am Gas!
Gebhard