Montag, 25. Februar 2013

Mit Anlauf nach Bolivien

Tag 5              Dourados - Corumba               601 km

Gleich nach 30 km die erste Sonderprüfung. Der Feldweg ist breit und rot und rutschig. 55 Kilometer, wieder mit 75 km/h Schnitt. Diesmal werden wir nichts verlieren, keine einzige Sekunde. Hans ist wild entschlossen. Der Motor heult, der Direktor driftet, mein Chauffeur ist erregt. Wir nageln mit einem 90er-Schnitt durchs Ziel und schauen aus wie Sau. Jetzt erst mal eine Komplettwäsche, damit wir wieder unter die Leute können. Das Handprogramm für zehn Reales.
 
Den schärfste Gegner immer im Visier. Der Brite Steve Hyde in seiner Pagode
startet unmittelbar vor uns.
Die Streckenführung ist diesmal mäßig kreativ.

Nach der Arbeit ein ausgiebiges Schaumbad. Herr Direktor im Schönheitssalon.

Österreichische Feinarbeit mit deutscher Kennung. Weil für die Einzeltypisierung
keine Zeit mehr war, fahren wir mit Marburger Nummerntafel.
Die zweite SP einer halbe Stunde später fahren wir schon auf trockenem Boden. Ein Heimspiel. Heute keine Strafpunkte. Wir bleiben in Führung.

Mit verbogenem Querlenker heute nur mit Halbgas unterwegs.
Der Australier Reg Toohey mit seinem Camaro.
 

Schmähführen mit dem Konkurrenten.
Steve Hyde, der Sieger der Peking-Paris 2010.













Bolivien lässt schon grüßen. Vorbei mit locker-lässig-lächelnd.
Wir nähern uns sichtbar der bolivianischen Grenze. Beim Lunchstopp nur Indios, vor und hinter der Budel. Hans ist um einen Kopf größer als alle anderen im Lokal. Aber sie gucken finster, besonders nach dem Foto, mit dem ich im Vorbeigehen dreizehn Seelen einkassiert habe.


Unser Beitrag zum Schutz des Naturreservats
Pantanal. Na, wenn das nicht hilft?

Vor dem Zielort Corumba cruisen wir durch das Pantanal, eine Art Naturreservat. Faszinierende Tierwelt neben und auf der Straße. Eine Bisamratte, so groß wie ein Hund, kümmert sich nicht um uns, als wir mit 140 vorbeibrettern.


Das tägliche Nachmittagsgewitter trifft heute andere.
Vor lauter Natur haben wir übersehen, dass Tankstellen hier so rar sind wie der Jaguar. Und Herr Direktor schluckt im Tiefflug wie ein Braumeister. Es wird eng mit dem Sprit. Gott, wäre das peinlich. Die Reserveanzeige leuchtet 75 km vor der nächsten Zapfsäule auf. Benzinkanister an Bord sind in Brasilien per Gesetz verboten. Jetzt kommt uns die Erfahrung von ungezählten Economy-Rallyes zu Gute. Wir schleichen wie Seidenraupen über den glühenden Asphalt. Mit Glück finden wir schließlich einen sportlichen Sattelschlepper als Wirt. Er zieht uns in seinem Windschatten umweltschonend zur Tränke. Knapper Dank mit Hupe und Abnicken.

Am Hotelparkplatz wartet Andi schon mit zwei kühlen Skol auf uns. Das Hotel Nacional ist das erste Haus am Platz, verfügt über eine pfeilschnelle Internetverbindung und über allerlei Annehmlichkeiten, um einen Nachmittag gemütlich ausklingen zu lassen.
Für Hans ist er der Piece Brosnan von Marburg. In drei, vier Jahren wird
Robbie Peil dann auch als Dennis Quaid einchecken können.


After-work-drink am Parkplatz. Jörg Lemberg im Fachgespräch.
Am Abend klärt uns Dr. Chris (der große, denn beide Rallye-Ärzte heißen so) beim Essen im großen Saal über die Gefahren der Höhenkrankheit auf. Ich merke mir nur, dass es erst dann richtig arg wird, wenn man Schaum und Blut hustet. Darauf lassen wir es ankommen. Hans behauptet sowieso schon seit Tagen, dass die paar Tausend Meter mit zwei, drei zerkauten Kokablättern am bequemsten zu bewältigen sind.

Auf jeden Fall, rät Dr. Chris, sollen wir in den nächsten drei Tagen auf jeden Fall und komplett auf Alkohol verzichten. Aber am Weg in die Hotelbar hören wir das kaum mehr.


DACH gegen den Rest der Welt. Die deutsch-österreichisch-schweizerische
Community schwänzen den Arztvortrag.





















2 Kommentare:

  1. An alle Mitleser

    Flug zur Zielankunft: 5900 Euro 43 Stunden Reisezeit.
    Wer ist dabei ???

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  2. Blog hinkt leider einige Tage hnterher. Super lässig ist allerdings die GPS Karte auf der HH homepage, wo man das Fortkommen live verfolgen kann und somit auf dem Laufenden bleibt. Nächste Jahr erwarte ich dann übrigens eine Helmkamera, damit wir euch auch beim Schrauben zusehen können.
    Die tolle Zwischenzeit nach dem 1.Drittel der Rallye läßt hoffen, dass es kein Werner Grissmann oder österreichisches Hätti Wari Schicksal am Schluss gibt.
    Also nochmals Schulterklopfen für den Direktor, seine Gaspedalstreichler und montiert im endlich die Standarten
    liebe Grüsse aus der Heimat. Es riecht bereits nach Frühling und Golfwetter.
    rudi

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