Samstag, 9. März 2013

Argentinien von oben herab

Tag 16               San Pedro - Salta               594 km


Abfahrt bevor es Frühstück gibt. Danach zur Grenze. Besser noch ein Zahnarzttermin um 7.30. So ein Tag ist normalerweise nicht mehr zu retten. Wenigstens bin ich rasiert.
Wenn man genau hinschaut, erkennt man wie der Direktor
ein kleines Gähnen wegdrückt.
 
Dieses Foto ist nicht wegen der hübschen Beine von Hans, sondern
wegen der Abschleppstange am Auto der Marshalls im Blog.
Aber wenn ich jetzt so hinschaue.
 
Hier übertreibt Dani Schlatter ein wenig. So small war der Talk auch nicht.
Warten in der Schlange seit 7 h. Nach Startnummern gereiht, wir sind die Vorletzten. Der chilenische Grenzposten öffnet erst um 8 h. Ganz schön was los für so ein Staubnest. Wo kommen diese vielen Autotransporter her? Um diese Uhrzeit ist der Smalltalk ganz small.
Vorkühlen in der Ebene. Der Buick von Scott und Paddy
ringt mitunter mit Atemnot und Hitzestau.
 
So schlichten Argentinier. Millimeterarbeit. Da macht es gar nichts, wenn
die Frontschürze vom Nachbarn angeknabbert wird.
 
Unsere beiden Schweizer Martin und Dani hören heute zum Rauchen auf. Das haben sie einander gegenseitig und ihren Frauen geschworen. Eidgenossen. Wir beäugen sie schonend. Der eine leidet leise, der andere hyperaktiv. Ein großer Kampf. Ob sie die These kennen, wonach die Summe aller Laster sowieso im gleich bleibt? Demzufolge nur quer verlagern. Wir ersparen ihnen die Details.
 
Stiller Kampf. Martin hört in diesem Augenblick mit dem Rauchen auf.
Die Minuten fließen zäh. Und dann geht es auf einmal wieder schnell. Irgendwie haben unsere Marshalls den Trick jetzt heraus. Um halb neun fahren wir schon im Niemandsland. Und da fahren wir lang. Zwischen den beiden Grenzstationen liegen 162 km. Niemandes Land von Wien nach Linz.
Zweieinhalbtausend Höhenmeter mit vier Kurven.

Der Licanbur war zum Greifen nah. Es gibt Fotos,
da steht ihm der Schnee bis auf die Knöchel hinunter.

Erster Höhepunkt. Wir dachen schon, das war´s.
 Die Straße steigt kerzengerade und ohne Unterbrechung an. Neben uns schrumpft der Licanbur. 3500, 4000, 4500, eine halbe Stunde nach der Grenze rollen wir auf 4.833 Meter. Neuer Tour-Rekord. Das Herz klopft. Auch deshalb, weil Herr Direktor selbst hier oben vor Kraft strotzt. Wir überholen fast das gesamte Feld und erreichen den argentinischen Grenzposten als Dritte. Büros auf 4.240 Meter.

Sehr aufgeräumt. Das Niemandsland zwischen Chile und Argentinien.

Aus der Serie: Traumstraßen dieser Welt.
Auch hier geht es flott. Wer sich die Mühe dieses Grenzorts antut, der hat nicht verdient zu warten. Unsere Autos wären der einzige Grund gewesen, warum uns die Grenzer länger hier behalten hätten. Damit sie jedes einzelne in Ruhe fotografieren können.

Der argentinische Grenzposten auf 4.220 Metern.

Jetzt noch eines für die Jetty-Tant´.
Ab jetzt ist für einige Zeit nichts Aufregendes zu berichten. Tolle Eindrücke, solide Straßen, noch ein Salzsee, keine Pannen. Das alles kennt ihr schon, sorry. Oh ja, wir haben nochmals eins drauf gelegt. 4.839 Meter, damit hat heute niemand gerechnet. 300 km weiter. Ein letztes Mal steigen wir noch auf 4.150 m, danach geht es 300 Meter ohne Pause hinunter. Eine der spektakulärsten Strecken dieser Reise. Die Großglockner-Hochalpenstraße wirkt daneben wie ein Feldweg. Wir fühlen mit unseren Kollegen in den Vorkriegsauto. Mehrmals warten beim Hochfahren wegen kochendem Kühlwasser, mehrmals warten beim Runterfahren wegen kochender Trommelbremsen. Die kommen heute wieder mal spät ins Bett.


Und noch ein Salzsee.
Das war´s dann für diese Reise. Höher kommen wir nicht mehr.
 
So sexy können Kurven in Argentinien sein.

3000 Meter abwärts ohne Unterbrechung.

Der Grand Canyon in Grün.
Und dann diese Farben. Es ist kurz nach Mittag, die Sonne steht hell über uns. Leider. Dennoch sehen wir vor Palmamarca diese berühmten sieben Farben in den verschachtelten Hängen. Grün, blau, rot, gelb, rosa, grau, weiß. Ein siebenfaches Vow. Liegt nicht unbedingt ums Eck, aber wenn es sich irgendwie mal ausgeht, dann unbedingt anschauen.
Die siebenfärbigen Hügel bei Palmamarca.

Heller Nougat, dunkler Nougat.
Unten im Tal geht´s entlang des ausgetrockneten Betts des Rio Grande Richtung Salta. Auf nur mehr 700 m drückt die schwüle Hitze. Von überall her knallt uns das fette Grün ins Blickfeld. Eine wohltuende Augenkur. Wir fahren jetzt im nordwestlichsten Zipfel Argentiniens. Hier herrscht so etwas wie Wohlstand. Breite Straßen, reichlich Autos, adrette Häuser.

Flach und fruchtbar. Der Weg nach Salta.
 Das gelbe Spritlicht warnt. Beim ersten Versuch zu tanken treffen wir auf eine reine Diesel-Tankstelle. Beim zweiten Mal auf eine reine Gas-Tankstelle. Beim dritten Anlauf klappt es.

Ob es am Geruch liegt.
Salta, wird auch die Schöne genannt. Salta la linda. Eine halbe Million Menschen leisten ihren Beitrag zu diesem Versprechen. Breite Alleen am Weg zum Sheraton. Es liegt auf einem Hügel und überblickt die Stadt. Im Foyer ein Casino. Das Design kommt uns bekannt vor. Die Casinos Austria sind die Betreiber.

Postkartenqualität. Der Blick auf Salta aus unserem Hotelzimmer.
 Vor dem Dinner noch ein Deappetizer. Wieder keine Ergebnisse, seit vier Tagen schon nicht. Ohne Erklärung. Und dann die schriftliche Antwort des stellvertretenden Rennleiters, des Depty Clerk of the Course. Bevor er das handbeschriebene Papier übergibt, sucht er nach einem Umschlag. Ordnung muss sein. Unser Antrag auf den Erlass der Strafpunkte von vor drei Tagen wurde abgelehnt. Ein Rückschlag, aber nichts, was man nicht mit einem guten Glas Malbec elegant reparieren könnte. Der Rote wird begleitet von einem Kilo gegrilltem Fleisch. Pro Person. Wir sind endlich in Argentinien angekommen.
 

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