Tag 18 Cafayate - Villa Union 575 km
Am Morgen gibt es Benzin bei YPF. So beginnt ein entspannter
Samstag. Der Direktor kriegt den Bauch voll mit bester Ware. Wir brechen um
9.30 auf. Später als sonst, aber unsere Zeitkontrolle ist erst um 16.55.
Siebeneinhalb Stunden Zeit für 514 km. Ein knapper 70er-Schnitt. Das schaffen
wir im Retourgang.
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| Traue keinem Tag, der so idyllisch beginnt. Cafayate beim Wegfahren. |
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| Weingärten am Sand. Aber das Geschäft boomt. |
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| Solche Kilometerzähler brauchen nicht viele Länder. |
Nach Cafayate beginnen gleich die Weingärten. Und der
Schotter. Wir schmieren 20 km zügig über die Steine. Plötzlich ein fremder Ton.
Der Direktor hat Schlagseite. Ein Patschen links hinten. Woanders dauert ein
Reifenwechsel fünf Sekunden. Wir sind am Ende froh, vor den Mittagsglocken
wieder zu fahren. Das Routinemanöver wächst sich fast zum Drama aus. Der erste
Wagenheber passt nicht, der zweite ist für den weichen Boden zu kurz. Nach fünf
Minuten in der prallen Sonne stehen wir in Saft wie zwei junge Fichten. Ein
Taxifahrer muss anhalten. Sein Wagenheber ist ebenfalls zu kurz. Jetzt rächt
sich der extra hohe Federweg, den wir dem Direktor hinten verpasst haben. Räder
wie Stelzen.
Zum Glück gibt es kein Foto von dieser Übung. Keine Zeit,
keine Hand frei. Letztlich stapelten wir den Direktor auf einem Haufen Steine.
Immer wenn der Wagenheber neue fünf Zentimeter hergab, zwängten wir einen
weiteren Schiefer unters Chassis. Nach 40 Minuten sind wir fertig, nass und sauer.
Vorbei der gemütliche Samstag. Jetzt liegt der Schnitt bei fast achtzig. Wenn
der Schotter so bleibt, dann wird´s wieder einmal eng.
Wir schalten auf fastforward. Eine Sonderprüfung über
Hunderte Kilometer. Nach zwei Stunden beginnen wir wieder zu reden. Der Sollschnitt
hat sich wieder normalisiert, liegt jetzt wieder unter siebzig. Ein wenig Adrenalin
und ein paar lange Geraden – einmal kam die erste Kurve erst nach 24 km –
helfen uns. Wäre da nicht das nervende Klopfen im Heck, sobald wir eine Rechtskurve
nehmen. Klingt wie ein Gummistück, das am Rad oder an der Felge streift. Die
Nachschau bleibt zweimal ohne Ergebnis. Es befestigt sich jedoch die Vermutung,
dass das nagelneue Reserverad, das wir aus Jörg Lembergs marodem Coupé geerbt
haben, zu breit ist.
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| Da hat der Schnitt rasch wieder gepasst. Einmal kam die erste Kurve nach 24 Kilometern. |
Gewissheit bringt erst eine Inspektion bei der Gomeria Santa
Maria in Chilecito. José, der CEO, fördert zunächst die Ursache für den Platten
zu Tage. Wir hätten lieber erzählt, der Eckzahn eines Jaguars hat sich in den
lauwarmen Gummi gebohrt. Es war aber leider ein spitzer Schweineknochen. Der
aussieht wie ein Jaguarzahn.
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| Unsere Notaufnahme. |
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| Die gewissenhafte Ausstattung der Gomeria weckte sofort unser Vertrauen. |
Ein daumengroßes Loch schreckt José nicht. Nach
zehn Minuten steckt unser alter Reifen wieder links hinten. Das mysteriöse
Klopfen ist auch entzaubert. Jörgs Reifen hat zwar die gleichen Abmessungen, aber
die Felge ist eine Nuance breiter. Soviel, dass die Gummimanschette des linken
hinteren Stoßdämpfers bei Belastung am inneren Wuchtblei der Felge streifte.
Auf das muss erst mal wer kommen.
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| Das Malheur von innen. |
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| Der Jaguarzahn, nachdem er gezogen wurde. |
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| Unser Held, José. Für acht Euro machte er in zehn Minuten zwei erwachsene Männer glücklich. |
Erleichtert fädeln wir uns zur einzigen Sonderprüfung des
Tages ein. Sie wurde wieder verkürzt. Nur mehr 17 statt 28 Kilometer. Die Zeit
ist so geräumig und der Schotterweg so breit, dass hier niemand Probleme haben
kann. Außer uns. Wir schlüpfen zwar locker ins Zeitfenster, aber gleich nach
dem Ziel ist links hinten wieder Flaute. War José schlampig, oder haben wir
zweimal Pech am selben Tag. Wieder kommt Jörgs breiter Ersatz aus dem
Kofferraum. Es klopft wieder bei Rechtskurven. Dreißig Kilometer später parken
wir vor unserem Zimmer in Villa Union. Ein
charmanter Ort, aber begraben will man hier nicht sein.
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| Ohne Landschaft komm ihr mir nicht davon. |
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Ein Mann wie ein Kaktus. Bis zur nächsten
Grenzstation sind es noch drei Tage. |
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| Am Start der Sonderprüfung. Zu breit, damit jemand durchfallen könnte. |
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| Links hinten, die zweite. Am Ende war José rehabilitiert. |
Um sieben am Abend hat es noch 38 Grad. Ich denke an das Winterschaos
in Europa, als Hans vom Reifenschuster zurückkommt. José ist rehabilitiert. Der
Reifen hatte ein neues Loch. An solchen Tagen macht man einen Bogen ums Casino.
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| Nichts für die Flitterwochen, aber sauber. Unser Hotelzimmer in Villa Union. |
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