Dienstag, 19. März 2013

Sogar die Rosenstöcke sind geschnitten


Tag 24               Bariloche - Esquel              367 km

Frühstücken wie in den Ferien. Wir warten lieber im Hotel als auf einer Straße im Wald. Das Llao Llao zieht alle Register. Extra Omelett, Extra Früchte, Extra Espresso. Grand-Hotel-Flair wie daheim. Wir starten um neun. Der Himmel ist wolkig, die Luft wärmer. Herr Direktor brummt zufrieden. Auch wenn Charly, der Mechaniker, gestern im Vorbeifahren anmerkte, dass der Motor etwas rau klinge. Ein Samstagmorgen im Herbst.
Sonntagmorgen im Llao Llao. Keine Sau auf der Straße,
nur der stramme Direktor hält die Stellung.
Damit gar keine Zweifel aufkommen, wo wir uns hier befinden.
Im Tal wieder Seen links und rechts, am Berg Fichten und Föhren. Nach 210 km der einzige Test. Nicht rasen, sondern rechnen. Gleichmäßigkeit, Jogularity nennen es die Briten, über 66 km. Vier geheime Messpunkte. Wir kennen uns aus.


Line-Extension von Bayer in Lateinamerika.
Die Gerade des Tages.
Das Ergebnis lässt sich sehen. Drei Strafsekunden. Selbst über die könnte man diskutieren. Da ist wenig Platz zwischen der Perfektion und uns. Die Landschaft ändert sich spürbar. Endlich sind wir auch optisch in Patagonien angekommen. Weite Weiten, Wiesen ohne Ende. Eine einzige Straße und lange kein anderes Auto. Der Tour ist heute bald zu Ende. Keine Besonderheiten. Das Aufregende ist nach vier Wochen Alltag geworden.

Kein Fachgeschäft für Damenfriseure. Schuhe!

Irgendwas quatschen, bis die Uhr tickt. Seelenforschung beim Warten auf die Sonderprüfung.
Wieder ein Skiort in der Nebensaison. Esquel machte uns etwas Kopfzerbrechen. Die Vorrede war klagbar. Kleines Kaff, miese Hotel, tote Hose. Die Wirklichkeit versöhnt uns. Nicht dass es von diesem Dorf viele Postkarten gibt, aber die Hosteria Cumbre Blanco hat die Skepsis nicht verdient. Ein charmantes kleines Hotel mit durchwegs weiblichem Personal. Und diesen liebevollen Details, schwärmt Dani. Sogar die Rosenstöcke seien geschnitten. Alle.

Für die Botaniker.

Mark und Chris in einem Ford Model A aus 1928.
Bei 75 Spitze werden die Tage zwangsläufig lang.
Das Cumbre verfügt auch über einen umfangreichen Keller. Der Nachmittag vergeht mit Weißwein auf der Terrasse. Bei Luigi Bosca, dem Familienweingut in Mendoza, wird man sich den Umsatzsprung der letzten Tage kaum erklären können.
Die Mädchen sind so bemüht und zuvorkommend, dass wir das Dinner auch gleich hier bestellen. Ein Fehler. Wären die Spaghetti noch weicher, könnten wir sie trinken. Dafür ist das Fleisch hart. Aber es trifft keine Dürren. Eine ausgefallene Mahlzeit schwächt niemand von uns. Obwohl Robert und Andi beharrlich behaupten, dass sie seit Rio ein paar Kilo verloren hätten, aber noch schlottert nichts.

Die Kurve das Tages wäre zu viel gewesen. Deshalb nur eine schöne Landschaft.
Der Abend bietet noch dichte Unterhaltung. Zuerst F1-Qualifying in Melbourne live, dann werden Hans und Robert von der Rennleitung ins Crew-Hotel geladen. Es gibt einen Einspruch gegen unseren Einspruch, der die Neutralisierung der Etappe nach Chillan zur Folge hatte. Steve Hyde, unser Klassengegner, und die Stevensons, die Gesamtführenden, meinen, dass die Behinderung durch Baustellen nicht unziemlich gewesen und die Zeitkontrolle vor dem Test daher zu werten sei. Erhalten sie Recht, dann wären wir mit einem Mal gleichauf mit Hyde und weit hinter Stevenson.
Er würde perfekt zu uns passen, hat aber Besseres vor.
Die Einvernahme währt kurz. Beide Beschwerdeführer verlassen nach wenigen Minuten den Raum. Gerade als die Diskussion zu überhitzen drohte. Das Ergebnis blieb offen. Dank Hans wissen die beiden Rennleiter jetzt wenigstens, dass sie Humpty und Dumpty sind.

Das Schicksal entschied auf seine Art. Kurz nachdem Hyde den Einspruch deponierte zerbröselte seine Zylinderkopfdichtung. Bereits die zweite. Aus Maus. Wenn es nicht wieder eine Übertreibung ist, dann wird er morgen nicht mehr starten.
Unterdessen wechseln wir im Hotel noch Geld. Sechs Pesos für einen Dollar. Unter der Budel gewissermaßen. Der offizielle Kurs ist eins zu fünf. Dennoch plündern die Mädels ihre Sparschweine, bis es keine Pesos mehr zum Wechseln gibt.
Und damit noch nicht genug Programm für heute. Hans stellt den Wecker auf drei, um den Grand Prix von Australien zu schauen. Das Läuten hätte er sich sparen können, denn kurz vor dem Start kommen Andi und Robert polternd aus der Disko zurück. Ich drehe mich nur um. Schon bei Tag schenkt mir ein Formel-1-Rennen den besten Schlaf. In der Nacht erst Recht.

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