Tag 19 Villa Union - Mendoza 634 km
Letzte Nacht mit dem Eisbären geschlafen. Die Klimaanlage
funktionierte zu gut. Nur ein Leintuch. Es konnte dem elektrischen Winter nicht
trotzen. Erst gegen acht bin ich wieder auf Betriebstemperatur. Heute eine der
langen Etappen. Dafür am Schluss die Belohnung: Mendoza, die Weinhauptstadt
Argentiniens. Ein Tag wie ein Firn-Bonbon.
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| Heute ist Ebbe. Zur Schneeschmelze fährt hier selbst ein Defender nicht weit. |
Schnell weg aus Villa. Hier im Westen ist es noch finster,
als wir um sieben wegfahren. Es geht entlang der Berge. Wieder endlos lange
Geraden. Leben bringen die Entwässerungsrinnen, die alle paar Hundert Meter die
Monotonie brechen. Hier müssen Unmengen von Wasser abfließen, wenn´s mal regnet
oder taut. Ein Auf und Ab für zwei Stunden. Heute ist Großkampftag. Gleich zwei
Sonderprüfungen. Bis zur ersten dauert es 340 km und eine Einkehr für 90
Minuten. Einige pfeifen auf die Sonderprüfung und rasen auf gutem Asphalt ins
Hotel. Die Harten gönnen sich ein zweites Frühstück.
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| Unser Quartier für neunzig Minuten. |
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| Marc Buhofer, amüsanter Schweizer, im Kreuzverhör. |
Andi gehört zu den Harten, kommt aber dennoch mit weiten
Augen von der Toilette zurück. Nicht das, was alle denken. Das Klo ist okay.
Aber die Begegnung mit unserem holländischen Mitfahrer irritiert ihn noch
immer. Gerade wollte er sich die Hände waschen, da nahm vor ihm der Kollege
sein Gebiss aus dem Mund und spült es gewissenhaft im Wachbecken. Auf argentinischen
Klos muss man offensichtlich mit allem rechnen.
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| Mitunter fühlt man sich hier richtig klein. |
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Zeitzeuge auf Rädern. Die vielen 504er fahren hier nicht von ungefähr.
Peugeot betreibt seit Jahrzehnten ein Montagwerk in Buenos Aires. |
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| Herr Direktor studiert das Feld vor dem Start zur ersten Sonderprüfung. |
Die Eckdaten des Tests lesen sich gut: 51 km in die Berge
hinein. Klingt fordernd. Die Realität hält das nicht. Nach 40 km benützen wir
zum einzigen Mal die Bremsen und passieren dennoch neun Minuten vor der
Sollzeit das Ziel. Das kann niemand nicht schaffen.
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| Die erste Sonderprüfung. Vierzig Kilometer, ohne einmal zu bremsen. |
Die Landschaft entschädigt. Neben der Strecke bewachen uns
schneebedeckte Gipfel. Sie müssen in diesen Breiten höher als 5.500 Meter sein.
Davor mal Steppe, mal Weingärten, dann Dünen. Die Natur schöpft hier aus dem
vollen Repertoire.
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| Oft Wüste. Manchmal Dünen. Hier ausnahmsweise fette Wiesen. |
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| Ich weiß, aber was soll ich tun bei dieser Landschaft. |
Der zweite Test wird gewiss spannender. Er ist kurz, dafür
auf Schotter. Vier km mit 80 km/h Schnitt. Als wir am Start eintreffen, folgt
erneut die Ernüchterung. Eine einzige Gerade entlang der Straße. Ein staubiges
Dragster-Race. Tatsächlich schaffen wieder alle, auf die wir schauen, die
Vorgabe. Ein Tag für die Würste. Wäre da nicht diese Landschaft.
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| Warten, wo man warten so richtig spürt. |
Noch zweihundert Kilometer ins Hotel. Die ersten sechzig
davon auf einer breiten Schotterstraße. Hans spricht wenig, aber ich merke wie
er Spaß hat. Dann der Schock. Genau im Schnittpunt von Staub und Nowhere fällt
der Direktor ohne Vorwarnung ins Koma und rollt aus. Großes Fragezeichen.
Motorhaube auf und alles mal drücken, reinigen, ab- und anstecken. Alle Autos,
die wir vorher beim Überholen mit Feinstaub getauft haben, holpern jetzt wieder
an uns vorbei. Höflich fragend zwar, aber vorbei. Nach 15 Minuten Fluchen ein
weiterer Startversuch. Wroaaam! Herr Direktor lebt wieder. Offenbar kam
irgendwie Luft in die Benzinleitung. Auf jeden Fall fliegen wir wieder. Und
taufen alle zum zweiten Mal.
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| Auf einmal war´s aus. Herr Direktor im Koma. |
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| Und dann tauften wir alle noch ein zweites Mal. |
Die Einfahrt nach Mendoza hält, was wir uns gegenseitig
versprochen haben. Weingärten, wohin man blickt. Dazwischen durchwegs modern
designte Weingüter. Ein Napa-Valley südlich des Äquators. Check-in im
Intercontinental. Ein neuer Hotelturm neben einem Shoppingcenter. Der Blick von
15. Stock entschädigt für den müden Tag.
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| Wein scheint auch hier ein feines Geschäft zu sein. Ganz ohne EU-Förderung. |
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| Eine Art Napa-Valley südlich des Äquators |
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| Beim Design sind Mendozas Winzer gar nicht fad. |
Rabia Schlatter hat gründlich recherchiert. Das 1884 in
Mendoza ist das beste Restaurant Argentiniens. Zumindest eines der besten. Auf
jeden Fall hatte es mal ein paar Sterne. Angeblich. Wir reiten spät im 1884
ein. Der Rahmen verspricht Gutes. Offenbar ein altes Kloster. Idyllischer
Innenhof mit meterhohen Bougainvilleas. Der Service hängt nach. Die Sommeliere
empfiehlt nur das Teuerste. Das Steak passt, wäre es nicht auf einem Boden
knuspriger Kartoffelchips. All in all
nothing to write home about. Francis Mallmann, der Chef, hat heute offenbar
seinen freien Tag.
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| Der Blick vom Zimmer im 15. Stock des Interconti. |
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| Weiterhin Klassenbeste. Zwei Punkte vor Steve Hyde und nur einen Punkt in der Gesamtwertung hinten. |
Kaum hat Argentinien einen Papst kommt auch schon der Heilige Geist vorbei. Allerdings nicht geflogen sondern gefahren. Als Paradekatholiken dürfte ja dem Waldviertler und dem Burgenlandler die Religion in die Hände spucken, wenn der Direktor wie von Geist-er Hand wieder anspringt.
AntwortenLöschenUnd nochmal bemühen wir den Hilferuf nach oben.
---Herr, beschenke die anderen reichlich mit Punkten.---
Gottseidank ist der Blog nicht so staubtrocken wie der Schotter der Sonderprüfung. Auf dass es weitere Bilder regne und das Gesamtergebnis noch eine kleine Inversion an der Spitze erfährt.