Mittwoch, 6. März 2013

Jörgs starker Abgang

Tag 14               Arica - Iquique               461 km 

Ein Morgen am Meer. So schmeckt Urlaub. Es gibt neue Ergebnislisten. Das ist nicht selbstverständlich. Die Veranstalter sind damit noch später dran als dieser Blog. Das Malheur am Urubamba hat uns an diesem Tag den zweiten Platz beschert. Zum ersten Mal zwei Punkte. Wir führen in unserer Klasse zwar noch immer um ein halbes Lichtjahr, aber in der Gesamtwertung sind wir jetzt zweite, ex aequo mit dem weißen Cadillac der beiden Amerikaner Dahmen/Schwager, einen Punkt hinter Vater und Sohn Stevenson.

Wenn einen nichts ablenkt, dann erkennt man das Wesentliche.
Ein anderer Vorfall hat unterdessen an Brisanz gewonnen. Der größte Konkurrent in unserer Klasse, Steve Hyde, startet mit Nummer 25 regelmäßig eine Minute vor uns. In der Sonderprüfung kurz nach Puno aber nicht. Er hat den Start versäumt. Wir konnten das aus der ersten Reihe verfolgen. Das gibt für gewöhnlich Strafpunkte. Die gestrige Ergebnisliste zeigte diese aber nicht. Hans hat schriftlich um Klärung gebeten und heute früh die Antwort erhalten. Alles sei okay. Die Zeitkarte weise keine Verspätung auf.

Da hat jemand schon richtig Spaß gehabt.

Die nackte Haut der Erde.
Mehr haben sie nicht gebraucht. Hans gerät in Saft, als er den Marshalls die Unmöglichkeit dieser Auskunft verdeutlicht. Die Zeitkarte wird herangeschafft. Die Startzeit wurde offensichtlich nachträglich korrigiert. Hyde bestreitet, das selbst getan zu haben, gibt aber zu, den Start um drei Minuten versäumt zu haben. Die Marshalls erbitten sich Zeit für eine eingehende Prüfung.

Smalltalk in der Wüste.
 



















Von Arica geht’s bald wieder hinein in die Berge. Wir warten wieder vor einer Sonderprüfung. Hier wächst absolut nichts. Tristesse und Zauber wohnen an diesem Ort nebeneinander. Enorme Sandhänge beugen sich zu uns herunter. Mit breiten Tiefschneeskiern muss das eine Mordshetz sein. Danach wieder reinste Wüstenöde. Die NASA hätte sich einiges Geld sparen und die Mondlandung bequem hier inszenieren können. Kennen Sie übrigens den Film Wag the dog?



Die NASA hätte sich ein Vermögen sparen können.

Die ersten Autos werden schon eingezählt. Ausgerechnet die Stevensons fehlen. Fünf Minuten zu spüt rasen sie heran und halten weit hörbar vor dem Starter. Das müsste Strafsekunden geben. Aber die Rennleitung ist selbst in so einem eindeutigen Fall unberechenbar.


Keine ultraharte Nuss, aber verbinden sich doch mal 1, 2, 3 und 4 ...

... mit A, B, C und D. Die Lösung einfach posten. Den Gewinnern
winkt ein Spaziergang mit den Beinen ihrer Wahl.
 














Der Countdown. Das letzte Bild, bevor der Direktor aufheult.
Wieder eine schöne Speed-Prüfung, wäre da nicht die Baustelle kurz vor dem Ziel. Als wir dort eintreffen, warten schon sieben vor uns gestartete Autos vor dem Stop-Zeichen. Alles für die Katz. Wir schaffen zwar bequem unsere Sollzeit, aber wegen des Hindernisses wird die Etappe vermutlich neutralisiert werden.

Lüften am Berg.



Der Rosenberger der Atacama. Beim Design ist noch Luft, aber die Toilette ist gratis.



Brauchen Sie eine Quittung?

Dumbo!
Oben am Berg treffen sich alle an einer Mini-Raststätte zum Plausch und kühlen die Motoren. Auch Jörg Lemberg ist wieder dabei. Gestern Nacht wurde sein Wagen und er vor dem Hotel abgeladen. Nach einer Schnellheilung durch die Rallye-Mechaniker läuft das Coupé wieder, aber mehr schlecht als recht.

Sein Unfall kurz nach Santa Cruz hat nicht nur die linke Vorderfont lädiert, es dürfte auch die Elektronik Schaden genommen haben. Die Benzinpumpe fördert manchmal Benzin, manchmal nicht. Wenn´s bergauf geht, eher nicht. Also wird auch hier wieder an allen Ecken seines Boliden herumgeschraubt. Peter, sein zweiter Beifahrer, der in La Paz Antonio abgelöst hat, ist gestern heimgeflogen, nachdem er drei Tage am Rücksitz des Service-Landrovers mitreisen durfte. Manchmal hast du eben Pech.

Das ist Jack. Jack repariert Jörgs Auto. Am Abend haben wir
ihn dann wieder aufgerichtet.
 

Ein Share of Voice zum Niederknien.

Wo ist die Fünfte?

Wir übernehmen die Nachhut unseres maladen Freundes. Bis Arica ist nur mehr die Grenze zu passieren, sonst kein Programm. Nach der dritten Zwangspause innerhalb einer halben Stunde läuft der graue Mercedes Gefahr, von seinem Besitzer malträtiert zu werden. Jetzt scheint gar nichts mehr zu gehen. Wir warten, bis die Mechaniker kommen.

Die Einfahrt nach Iquique. Fünfhundert Höhenmeter im Sturzflug nach Little-Miami.

Und so was am Arsch der Welt.
Zwei Stunden später nehmen wir den siebenunddreißigsten Hügel des Tages. Fünfhundert Meter direkt unter uns öffnet sich eine moderne Stadt. Viele Hochhäuser, eine breite Uferpromenade, Palmen. Iquique macht auf Miami. Die nächste große Stadt nach Arica lebt von ein bisschen Hafen, Tourismus und etwas Industrie. Genug, um 180.000 Menschen hier zu halten.

Der Gegenschuss. Von  da oben kommen wir, falera.

Wir steigen im Holiday Inn ab. In Südamerika erlebt die Kette offenbar noch gute Zeiten. Beim Hallobier im Innenhof gibt es nur ein Thema: Wie geht es Jörg? Ein paar Stunden später hören wir die News. Sie sind noch schlechter als befürchtet. Kurz vor dem Hotel mussten die Mechaniker vor einem Zebrastreifen abrupt bremsen. Jörg an der Stange dahinter verreißt nach links und dreht sich sowie den Abschleppwagen spektakulär um 180 Grad. Die acht Zentimeter dicke Schleppstange ist in der Mitte stark verbogen, die rechte Seite an Jörgs Mercedes jetzt ebenfalls havariert. Aus Maus.

Ausnahmsweise ein Ankunftsbier mit besorgten Mienen.

 Beim Abendessen versuchen wir dem großen Bären gemeinsam die Weiterfahrt zu verkaufen. Er möge sich doch einen roten Nissan mieten, wie auch schon fünf andere Teams, und bis Ushuaia dabei bleiben. Wenn, dann nur mit einem Mustang Shelby 500, meint der Umworbene.
 
Morgen werden wir hören, dass es in Iquique einen Shelby 500 weder zu mieten noch zu kaufen gab.
 
 
 
 
 

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