Samstag, 23. März 2013

Schlemmen wie Gott in England


Tag 28               El Calafate - Rio Gallegos               384 km
 
Wieder mit einer trägen Internetverbindung 45 Minuten verplempert. Seit Rio summiert sich das auf wertlose Tage vor einen kreisenden Pfeil. El Calafate verabschiedet uns mit Wolken. Heute die vorletzte Sonderprüfung. Glühen auf Schotter. Sechzig Kilometer mit 82 Schnitt. Nach zwei Stunden Anreise reihen wir uns vor dem Start ein.
Wir freuen uns schon so richtig auf die nächste scharfe Kurve.
Neben uns zufällig ein Straßenschild der legendären Ruta 40, la Ruta del Condor. Kurz nach Salta haben wir sie zum ersten Mal befahren. Das ist viertausend Kilometer her. In allen Shops verkaufen sie T-Shirts, Kaffeehäferln, Kräuterschnaps mit dem Logo dieser Straße. Aber keine echte Straßenschilder.
Der Dreizehnerschlüssel ist schnell ausgepackt. Sechs Schrauben, die beiden obersten vorsorglich abgebogen. Mit einer Eisensäge kein Problem. Bei vorbeifahrenden Autos unterbrechen wir kurz. Aus Anstand. Nur noch zwei Schrauben, da taucht am Horizont ein Gelblicht auf. Der Straßenmeister. Hat er nur Glück, oder wurde ihm etwas gesteckt? Klassisches in flagranti. Wir lächeln, posieren für ein Foto, stellen uns dumm. Mit Erfolg. Der Wächter riecht den Braten, aber es ist ihm zu blöd, das Thema mit zwei Gringos hier zu verhandeln. Außerdem haben wir einen dringenden Termin. Die Sonderprüfung.
Diebstahl auf offener Straße mit laufendem Motor.
 
In flagranti. Nach vier Schrauben kam plötzlich der Straßenmeister.
Der Adrenalinschub lässt uns zwölf Minuten vor der Sollzeit in Ziel fahren. Herr Direktor fährt verwundet, aber ohne zu Mucken. Keine tausend Kilometer noch bis Ushuaia. Das schieben wir zur Not.
Alle fünfzig Kilometer ein Pfeifmichnix. Gegen
Wind und Schotter bis die Wadeln brennen.
 
Die Gerade des Tages, diesmal en nature.

Jetzt endlich Zeit, das offizielle Schreiben zu lesen, dass uns der Starter überreicht hat. Ein Dokument britischer Verwaltungskunst. Weil beide Seiten es unterlassen haben, ihre Argumente ausreichend darzulegen, sieht sich die Jury außer Stand eine Entscheidung zu treffen. Die Etappe von vor zehn Tagen gilt folglich in vollem Umfang. Dass die Herren vorher bereits ganz formal für die Neutralisierung entschieden haben, geht völlig unter. Wir beschließen, keine weitere Milch verschütten. Kein weiterer Einspruch gegen den Einspruch gegen den Einspruch. Wir fallen um einen Tagessieg um und in der Gesamtwertung hinter den Porsche zurück. In der Klasse bleiben wir vorn.
Das Urteil der Rennleitung Teil 1. Dem Einspruch gegen
den Einspruch wird stattgegeben.
 
Das Urteil der Rennleitung Teil 2. Bringt einen Punkt, kosten einen Rang.
 
Und wir dachten die Radfahrer sind komplett verrückt.
 
Auffahrunfälle sind in Patagonien selten. Wenn´s mal kracht, dann eher Überschläge wegen Sekundenschlaf.
 
Mondrian was here.
 
Wegen Platzangst musste hier noch keiner zum Arzt.
Los Gallegos ist eine Hafenstadt am Atlantik. Rund sechzig Tausend Leute trotzen hier der Witterung. Der Nachmittag ist frei. Flanieren, lesen, schreiben, ein Bier. Martin hat ums Eck das perfekte Lokal für unser Dinner ausgemacht. Am Schild steht nur British Restaurant. Eine Drohung. Um acht sind wir die einzigen Gäste. Kein Wunder in einem britischen Restaurant.
Der Times Square von Rio Gallegos.
 
Bei uns werden solche Schilder neben
Faschingsmasken verkauft.
Natürlich täuscht die Optik. Innen erinnert der Platz an ein Ristorante Italiano, die Ober sind bemüht, die Küche liefert Delikates. Der extravagante Name täuscht. Das Wirtshaus gehört zum angrenzenden britischen Club der Stadt. Seit Jahren ist es auch Non-Members zugänglich. Um elf ist die Bude knallvoll. Zu Recht. Großer Abend, Andi und Robert in Bestform.
Um 20 h hatten wir leichte Zweifel. Drei Stunden später war der Laden voll.
 
Der britische Club von Rio Gallegos. Vor mehr als hundert
Jahre von Engländern gegen das Heimweh gegründet.
Wegen großer Sympathie werden wir nach der Rechnung noch in die Bar des sehr privaten Clubs eingeladen. Sechs Herren im fortgeschrittenen Alter. Nach zehn Minuten stehen alle bei uns an der Theke. Verbrüderung. Noch eine Runde. Hans sperrt das Klavier auf. Wieder weinen alle vor Freude. Um vier ist Schluss. Eine Runde muss unbedingt noch sein. Licht aus.
Hans mit Fan. Frauen haben keinen Zutritt.

Nach zehn Minuten zu Ehrenmitgliedern auf Zeit ernannt.
Sogar Liz Wenman durfte mit uns trinken



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