Samstag, 16. März 2013

Den Aconcagua im Augenwinkel

Tag 20               Mendoza - Santiago               403 km

Der Rasierschaum ist ausgegangen. Kratzen mit Hotelseife. Es muss sein. Heute ist Grenze. Herr Direktor glänzt nach seinem freien Tag wie ein Junger. Nicht nur waschen und legen, sondern auch Bremsen nachstellen und abschmieren. Abfahrt, als einige gerade erst nach Hause kommen. Diese Rallye wird mich verändern.
 
Links und rechts Weingärten, die Quelle des Wohlstands in Mendoza.
 
So eine Landschaft gleich am Morgen, und der Tag ist dein Freund.
 
Keine Ahnung, ob das schon der Anconcagua ist. Auf jeden Fall
ist er um einen Kopf größer als seine Nachbarn.
 
 
Was tut ihr auf meiner Straße? Kein Zweifel, was der Hausherr von uns denkt.
Heute treffen wir den Aconcagua, den höchsten Berg dieses Kontinents. 6.962 Meter. Er baut sich gleich neben jener Straße auf, die uns zum Grenzübergang nach Chile hoch führt. Wir sehen ihn trotzdem nicht aus der Nähe. Immer wieder versperrt uns ein aufdringlicher Fünftausender den Blick auf den Chef. Dann, fast unbemerkt in einer Kurve, huscht er vorbei. Wie eine Schönheit in einem entgegenkommenden U-Bahnwaggon. Großer Moment, aber zu knapp für ein Foto. Für Gewissenhafte deshalb hier der Link: http://www.iceaxetv.com/Aconcagua/index.shtml
Tatataaaa! Hier die Gerade des Tages.
 
Und da hatten wir keine Eile.

Skistation kurz vor der Grenze. Wenigstens kein Parkplatzproblem.
Wir steigen auf 3000 Meter, vorbei an Skistationen und aufgelassenen Bahnhöfen. Die Aussicht ist wieder gewaltig, das Leben hier karg. Die Grenzstation ist selbstverständlich ganz oben am Pass. Die Argentinier winken uns durch, die Chilenen kommen mit ihren Obst-Hunden. Die Formalitäten sind rasch erledigt, dann beginnt das Warten. Auf der chilenischen Seite wird die Straße erneuert. Eine Kolonne von LKWs verheißt nichts Gutes. Nicht nur bremsen zahlreiche Einbahnpassagen, auch die 21 steil abfallenden Serpentinen zwingen die Trucks zu Schritttempo. Auf diese Art passieren wir Portillo, den berühmten Skiort. Bei der WM 1966 haben uns hier die Franzosen so richtig abgewatscht: Frankreich sieben Mal Gold, wir nix.
Schaut aus wie eine mobile Zollstation, ist aber fix. Die Grenzlinie
hat sich seit hundert Jahren nicht bewegt.

Er muss nach Bananen, Äpfel, Melonen, Kiwi und anderem Obst
suchen, aber für eine echte Wurst, da verbiegt er sich.


Da kommt man immer wieder gerne zurück.
Im Tal wird´s wieder heiß. Um uns herum Wüste unterbrochen von Obstplantagen. Heute ist eine Transportetappe. Deshalb zügeln wir unseren Ehrgeiz und nehmen die Autobahn nach Santiago. Schon die Einfahrt in Chiles Hauptstadt zeigt, dass hier Wohlstand wohnt. Autos bis zum Abwinken, in sich verschlungene Stadtautobahnen, Hochhäuser am Horizont. Wir könnten uns jetzt genauso gut in Texas befinden. Es ist warm, aber nicht mehr so heiß. Man spürt, dass wir vom Äquator wegrücken.
Die stehen wenigstens schon bergab. Die Newcomer warten aufwärts.

Aber wenn diese Fahrspur mal fertig ist.

Mit schwachen Bremsen braucht man starke Nerven.

Sie sind die Ursache der Warterei, aber dafür echte Benzinbrüder.

Hier verlässt uns Marc Buhofer, der unterhaltsame Schweizer. Er ist der zweite Beifahrer von Martin Egli. Länger als zwei Wochen hält es offenbar niemand im offenen Lagonda aus. Marc lädt uns seit Tagen zu seinem feudalen Abschiedsdinner ein. Heute ist es soweit. Wir fallen ins Ox ein, dreizehn Leute. Weil Rainer und Helmut aus Österreich auch gerade in der Stadt sind, kommen sie natürlich mit. Ein Tenderloin High Cut stimmt mich sanft. Das beste Steak bisher, und das außerhalb von Argentinien. Viel geht heute nicht mehr.
 
Zwei Linien gelten hier eher als eine Empfehlung.

Extradry. Das Umland von Santiago.

Der Fotograf hat gerade geschlafen. Wir sind froh, dass wir zumindest dieses Bild von Santiago ergattern konnten.

Die Rechnung ohne Hans gemacht. Zurück im Interconti greift er in die Tasten des Klaviers. Das bewährte Repertoire bringt nicht nur die Rallyegemeinde zum Schmelzen. Am Nachbartisch weint ein Quintett mexikanischer Flugbegleiterinnen vor Glück. Der Abend hat noch ein bisschen gedauert. Robert und Dani versuchten zu singen. Marc zeigte noch, was ein Lagonda in der Tiefgarage kann. Aber das ist eine andere Geschichte.
 

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