Mittwoch, 6. März 2013

Unser Date mit Atacama

Tag 13               Arequipa - Arica               461 km
 
Beim Aufwachen noch den Salsa von vor drei Stunden im Ohr. Es muss alles wieder flott gehen. Startzeit um 7.26. Trotzdem rasieren, weil? Richtig, Grenze! Am Stadtrand von Arequipa wartet die Wüste. Zunächst noch verziert mit Bäumen und Blumen, nach 20 km nur mehr heller Schotter und Sand.
 
Straßen, die kerzengerade am Horizont verpuffen. Der Asphalt flimmert, die Luft heiß und trocken. Trockener geht´s nicht. An keinem Ort der Welt fällt weniger Niederschlag als hier in der Atacama-Wüste. Es gibt zahlreiche Wetterstationen, die noch nie einen Tropfen Regen gesehen haben. Die trockenste Wüste der Welt, das ist eine Ansage.

Die Atacama wird uns fünf Tage begleiten. Erst in Argentinien wird´s wieder grün.
Eine Warnung: Ab jetzt kommen jede Menge Straßenfotos. Aber echt starke. So eines etwa.
Dem Fotografen gehen hier rasch die Motive aus. Weite Ebenen, mit dem Lineal gezogene Straßen, mächtige Gesteinsformationen und wieder weite Ebenen. Die 140 km bis zur ersten Sonderprüfung haben auch sonst wenig News-Wert. Der Direktor fühlt sich wohl, ich nicht ganz. Aber wer nachts ein Bursch ist, darf morgens nicht schwächeln.
 
Und mitten im Schotter die Antithese. Die Wüste lebt,
dank Wasser von den nahen Bergen.
Die Zeitkontrolle ist fern von Gut und Böse. Wir parken uns am Straßenrand ein. Eineinhalb Stunden zu früh. Um uns nichts. Wenn man über etwas gründlich nachdenken muss, dann ist das der richtige Moment. Zehn Minuten nach uns kommen die Schlatters. Und fahren gleich weiter ins Hotel. Sie wären doch nicht so blöd, hier bei 40 Grad über eine Stunde auf die Sonderprüfung zu warten. Wir geben ihnen Recht und winken mit halbem Herzen.
An der Spitze ist es einsam.
 
Nicht ganz dicht, würden Schlatters sagen. Mehr als eine Stunde warten auf den Auftritt.

Ein Foto, das auch in der Autorevue eine knackige Doppelseite hermachen würde.
Dreißig Minuten später geht der Wirbel los. Die anderen Verrückten rauschen nach und nach ein. Bald parken 15 Autos in der Startreihenfolge. Eine treffliche Gelegenheit, sich nach dem Stoßdämpfer des blauen Mustangs und nach dem Vergaser des roten Bentleys zu erkundigen. Die Antworten beruhigen uns – und töten die Zeit. Drei, zwo, eins, ab! Hans gibt dem Direktor die Sporen. Zuerst 15 km flat-out in der Ebene, dann 17 km flat-out in weiten Kurven bergauf. Wir hätten am Weg noch einen Kaffee nehmen können und wären in der Zeit geblieben.
Ein ganzer Tieflader für zwei Reifen.
 
Straßenbau in der Wüste. Ein gutes Lineal reicht.
 
Schon seit gestern da. Aber jetzt in der Wüste erst Zeit, das Souvenir zu bestaunen.
Hundertzwanzig Kilometer später biegt der Pazifik unerwartet ums Eck. Auf einmal breitet er sich formatfüllend vor uns aus. Die Stimmung wechselt von Staub auf Ferien. Alle paar Kilometer nützen ein paar Peruaner den Sonntagnachmittag für einen Strandausflug. Für uns geht es jetzt schnurgerade nach Süden zur Grenze mit Chile. Auf der legendären Panamericana, die geschickt in die steil zur Küste abfallenden Sandberge gefräst wurde. Eine der angeblich schönsten Straßen der Welt wird ihrem Ruf gerecht.
Auf einmal lag der Pazifik vor uns. So überraschend wie Weihnachten sein kann.
 
Anonymer geht's nicht.
 
Einfach oberaffengeil.
Die Zeit vergeht besonders schnell, wenn es am schönsten ist. Da taucht schon der peruanische Grenzposten auf. Ruck-zuck durch. Die Chilenen prüfen genauer. Ein süßer Retriever durchschnuppert jeden Wagen. Es geht aber gar nicht Drogen. Der Hund ist auf Obst fixiert. Und deshalb hat der alte Apfel in Danis Cabrio keine Chance. Der Schwanz wedelt. Zwei Stempel später empfängt uns eine zweispurige chilenische Autobahn. Damit allen gleich der Unterschied zum Nachbarland klar wird.
Peru sagt Danke für Kommen ... 
 
 
... und Chile laut Servus. 

 
 
 Arica ist die nördlichste Stadt des schlanken Küstenlandes. Es hat die besten Jahre hinter sich. Als Salpeter noch mit Gold gewogen wurde, lief hier der Hafen heiß. Heute ist es noch immer eine wichtige Ladestation für Erze aus der Atacama, aber eben nicht mehr wie früher. Der Tourismus gleicht den wirtschaftlichen Rückschlag etwas aus. An unserer Unterkunft kann das allerdings nicht liegen. Das Hotel Arica war in den siebziger Jahren ohne Zweifel ein Schmuckstück. Heute erinnert es uns an Kasachstan. Egal, nur eine Nacht. Beim Dinner in einem nahen Fischlokal erzählt Jörg wie ihn die Mechaniker hierher geschleppt haben. Er wirkt ein bisschen müde.
 
Die Klippe hinter dem Hotel. Das, was uns von Arica im Kopf bleibt.

Das könnte wiederum überall sein, ist aber tatsächlich in Arica. Wegen der Stimmung.

Das Beste am Hotel Arica ist der Pool.
 

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