Mittwoch, 6. März 2013

Verbrannter Gummi

Tag 12               Cusco - Arequipa               604 km

 
Heute geht es fast bis an den Pazifik. Ziel ist Arequipa, eine Industriestadt im Süden Perus mit 850.000 Einwohnern. Sie hält den traurigen Rekord, die am häufigsten von Erdbeben heimgesuchte Stadt der Welt zu sein. Zuletzt rumpelte es 2001 kräftig. Ein Teil der Kathedrale stürzte damals ein. Jetzt kommen auch noch wir.
 
Arequipa ist nicht das einzige Highlight im heutigen Programm. Angeblich überqueren wir auch den höchsten Pass der Reise. 4.700 Meter soll er anschreiben.
 
Die gewohnte Schlange vor der Sonderprüfung.
Manchmal warten wir mehr als eine Stunde.
Und dann ist da noch das Sportliche. Zwei Sonderprüfungen stehen an, die erste auf Asphalt, die zweite weitgehend auf Schotter. Nach einer guten Stunde entlang des Urubambas zählt uns der Starter ein. Three, two, one, go! Die Sollzeit für die 32 km ist machbar. Nach zwei Drittel liegen wir ein 3-4 Minuten vorn. Jetzt die Übung gemütlich heimfahren.

Ich nehme eine enge Kurve um einen Hügel herum, vielleicht etwas flott. Hinter dem Felsen offenbart sich Böses. Hundert Meter vor uns steht der rote Camaro bei einer Polizeikontrolle, links daneben ein LKW. Außen herum gibt es kein Vorbeikommen. Keine 100 Meter. Vollbremsung. Es quietscht, es raucht, Geruch von verbranntem Gummi. Zwei Meter vor dem LKW kommen wir gerade noch zum Stehen. Das war knapp, echt knapp. Alle schauen uns an.
Der Polizist winkt uns zu sich. Ob ich verrückt bin. Die Rechtfertigung ist knapp. Schwer einzuwenden, dass ich gerade auf einer Sonderprüfung unterwegs bin. Jetzt erst mal alle Papiere raus und von allen Seiten begutachten, Führerschein, Zulassung, Zollbestätigung. Tick-tack, tick-tack. Unser Vorsprung schmilzt gerade in der peruanischen Sonne. Hans explodiert gleich neben mir. Der Wachmann zieht sich mit den Dokumenten in sein Büro zurück. Hans folgt ihm und kommt eine Minute später wieder raus. Weiter geht’s, aber das kann sich nicht mehr ausgehen. Wir sind 4-5 Minuten gestanden. Und auch jetzt kann man hier nicht gut mit rauchenden Reifen abrauschen.

Schließlich sind wir um elf Sekunden zu spät. Knapp, aber schlecht. Wie erwartet haben alle anderen in unserer Gruppe diese Prüfung in der Sollzeit gefahren.
Bauernmarkt auf der Strecke. Wolle vom Babyalpaca en gros und en Detail.

Ehrenwort. Dieses Foto ist uns nicht von der Mongolei-Tour
übrig geblieben, sondern taufrisch.
Nach der Prüfung Eiszeit. Hans ist sauer. Ich bin happy, dass uns und dem Direktor nichts passiert ist. Es gibt ja noch eine zweite Sonderprüfung, da werden wir schon noch aufholen.

Tatsächlich fährt Hans den zweiten Turn wie ein Henker. Die Strecke ist anspruchsvoll, 34 km meist bergauf, meist auf Schotter. Gerade vierzig Sekunden vor der Sollzeit im Ziel. Das werden viele nicht schaffen.
Nach der Adrenalin-Party klettern wir mit Bedacht weiter Richtung Westen. Irgendwann endet der Asphalt. Irgendwann verschwindet die Sonne hinter schweren Wolken. Die Luft wird dünner. Zuerst feiern wir 4.645 Meter als das Maximum. Dann nach 26 km ein neuer Höhepunkt: 4.785 Meter. Das sollte es jetzt gewesen sein. Aber weitere vier Kilometer später legt der Berg noch einen Hügel drauf. 4.826 Meter. That´s it. Höher werden wir bei dieser Reise nicht hinauskommen.
 
Moses im Mercedes. Dani Schlatter weist uns den Weg durchs Wasser.
 
Wir dachten schon, das sei nicht zu toppen.
 
Guter Schotter ist besser als schlechter Asphalt. Unsere Rennbahn auf 4.600 Metern.
 
Wohnbau oberhalb der Baumgrenze.
 
Dann hielten wir das für das Maximum.
 
Ein Dorf, wo Europäer bereits gern zum Sauerstoff greifen.
 
Das war´s dann. Der absolute Tour-Rekord.
Höher werden wir auf diese Reise nicht steigen.
 Jetzt geht´s lange bergab. Das Wetter wird schlechter. Zuerst Regen, und dann als Premiere Nebel. Fetter Nebel. Streckenweise Schritttempo. Die vielen Busse und LKWs, die sich abwärts tasten, bremsen uns. Trotz Nebel merken wir, wie sich die Landschaft verändert. Aus grün wird grau. Die Wüste schickt ihre Vorboten.
 
Lamas und Alpacas sind dankbare, strapazfähige Tiere.
 
Bei der Abfahrt gab es vereinzelt Fälle von Seekrankheit zu protokollieren.
  
 
Im Hotel stellt sich heraus, dass wir gestern doch die Konstantesten waren. Bei zwei Kontrollen insgesamt acht Sekunden daneben. Die anderen waren noch weiter entfernt. Wieder nur ein Punkt. Das siebente mal. Wir führen klar in unserer Klasse. Am nächsten kommt uns noch Peking-Paris-Sieger Steve Hyde, fünf Punkte hinter uns. Der Rest ist abgeschlagen und fährt zum Teil gar nicht mehr.
Ein bisserl was geht da schon noch drauf.
 
Aerodynamisch ein Verbrechen, aber der Werbezweck heiligt die Mittel,
 In der Gesamtwertung liegen wir zwangsläufig auch in Führung. Gemeinsam mit zwei anderen Autos, die Ihre Gruppen ähnlich dominieren. Wird spannend, wer sich im eine Blöße gibt.

Abends Dinner zu viert. Die Schlatters bleiben im Hotel und chillen. Jörg Lemberg hängt im Transporter und soll angeblich noch spät nachts kommen. Fodor´s führt uns in ein Steakhouse. Peruanisch angehaucht. Delikat, aber wir sind bis zur Rechnung die einzigen Gäste. Leute mit weniger geradem Ego würden zu zweifeln beginnen.
Heute ist Samstag. Robbie zieht es noch auf die Tanzfläche. Das Forum soll der heißeste Schuppen der Stadt sein. Wir reiten zu zweit um 22.30 ein und sind die einzigen Gäste. Die anderen kommen noch, trösten uns die Kellner. Nichts los. Das spürt man bei drei Tanzflächen und sechs Ebenen besonders. Die GT laufen. Um 23.00 kommen die ersten der anderen. Um 23.30 wird in einem Eck bereits getanzt. Um Mitternacht regt sich Leben in der Wüste. Um 0.30 ist die Bude voll. Wir knapp dahinter.

Um vier wieder zurück im Hotel. Verschwitzt und happy und schwankend. Toller Laden mit tollem Licht. Wir wurden wiederholt zwischen 37 und 42 geschätzt. Ganz toller Laden. 

2 Kommentare:

  1. Genial!! Die reinste Vergnügungsreise- ich habs immer gewusst.
    Der Schuppen muss ja die Oldie Bar schwer in den Schatten stellen. Gut dass der Direktor draussen bleiben musste, sonst hätte man ihn auch jünger geschätzt und er warat aus der Wertung gflogn So aber sollen seine Zylinder weiterhin im 4/Vierteltakt klopfen und euch KIlometer für Kilometer zum Treppchen führen

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  2. Ich glaub' mit 37 bis 42 haben die die Körpertemperatur gemeint! ;-)))

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