Heute geht es fast bis an den Pazifik. Ziel ist Arequipa,
eine Industriestadt im Süden Perus mit 850.000 Einwohnern. Sie hält den
traurigen Rekord, die am häufigsten von Erdbeben heimgesuchte Stadt der Welt zu
sein. Zuletzt rumpelte es 2001 kräftig. Ein Teil der Kathedrale stürzte damals
ein. Jetzt kommen auch noch wir.
Arequipa ist nicht das einzige Highlight im heutigen
Programm. Angeblich überqueren wir auch den höchsten Pass der Reise. 4.700
Meter soll er anschreiben.
| Die gewohnte Schlange vor der Sonderprüfung. Manchmal warten wir mehr als eine Stunde. |
Und dann ist da noch
das Sportliche. Zwei Sonderprüfungen stehen an, die erste auf Asphalt, die zweite
weitgehend auf Schotter. Nach einer guten Stunde entlang des Urubambas zählt
uns der Starter ein. Three, two, one, go! Die Sollzeit für die 32 km ist machbar.
Nach zwei Drittel liegen wir ein 3-4 Minuten vorn. Jetzt die Übung gemütlich heimfahren.
Ich nehme eine enge Kurve um einen Hügel herum, vielleicht etwas
flott. Hinter dem Felsen offenbart sich Böses. Hundert Meter vor uns steht der rote
Camaro bei einer Polizeikontrolle, links daneben ein LKW. Außen herum gibt es
kein Vorbeikommen. Keine 100 Meter. Vollbremsung. Es quietscht, es raucht, Geruch
von verbranntem Gummi. Zwei Meter vor dem LKW kommen wir gerade noch zum
Stehen. Das war knapp, echt knapp. Alle schauen uns an.
Der Polizist winkt uns zu sich. Ob ich verrückt bin. Die
Rechtfertigung ist knapp. Schwer einzuwenden, dass ich gerade auf einer
Sonderprüfung unterwegs bin. Jetzt erst mal alle Papiere raus und von allen Seiten begutachten, Führerschein,
Zulassung, Zollbestätigung. Tick-tack, tick-tack. Unser Vorsprung schmilzt
gerade in der peruanischen Sonne. Hans explodiert gleich neben mir. Der
Wachmann zieht sich mit den Dokumenten in sein Büro zurück. Hans folgt ihm und
kommt eine Minute später wieder raus. Weiter geht’s, aber das kann sich nicht
mehr ausgehen. Wir sind 4-5 Minuten gestanden. Und auch jetzt kann man hier nicht gut mit
rauchenden Reifen abrauschen.
Schließlich sind wir um elf Sekunden zu spät. Knapp, aber
schlecht. Wie erwartet haben alle anderen in unserer Gruppe diese Prüfung in
der Sollzeit gefahren.
| Bauernmarkt auf der Strecke. Wolle vom Babyalpaca en gros und en Detail. |
| Ehrenwort. Dieses Foto ist uns nicht von der Mongolei-Tour übrig geblieben, sondern taufrisch. |
Nach der Prüfung Eiszeit. Hans ist sauer. Ich bin happy,
dass uns und dem Direktor nichts passiert ist. Es gibt ja noch eine zweite
Sonderprüfung, da werden wir schon noch aufholen.
Tatsächlich fährt Hans den zweiten Turn wie ein Henker. Die
Strecke ist anspruchsvoll, 34 km meist bergauf, meist auf Schotter. Gerade
vierzig Sekunden vor der Sollzeit im Ziel. Das werden viele nicht schaffen.
Nach der Adrenalin-Party klettern wir mit Bedacht weiter Richtung
Westen. Irgendwann endet der Asphalt. Irgendwann verschwindet die Sonne
hinter schweren Wolken. Die Luft wird dünner. Zuerst feiern wir 4.645 Meter als
das Maximum. Dann nach 26 km ein neuer Höhepunkt: 4.785 Meter. Das sollte es
jetzt gewesen sein. Aber weitere vier Kilometer später legt der Berg noch einen
Hügel drauf. 4.826 Meter. That´s it. Höher werden wir bei dieser Reise nicht
hinauskommen.
| Moses im Mercedes. Dani Schlatter weist uns den Weg durchs Wasser. |
| Wir dachten schon, das sei nicht zu toppen. |
| Guter Schotter ist besser als schlechter Asphalt. Unsere Rennbahn auf 4.600 Metern. |
| Wohnbau oberhalb der Baumgrenze. |
| Dann hielten wir das für das Maximum. |
| Ein Dorf, wo Europäer bereits gern zum Sauerstoff greifen. |
| Das war´s dann. Der absolute Tour-Rekord.
Höher werden wir auf diese Reise nicht steigen.
|
Jetzt geht´s lange bergab. Das Wetter wird schlechter.
Zuerst Regen, und dann als Premiere Nebel. Fetter Nebel. Streckenweise Schritttempo.
Die vielen Busse und LKWs, die sich abwärts tasten, bremsen uns. Trotz Nebel
merken wir, wie sich die Landschaft verändert. Aus grün wird grau. Die Wüste
schickt ihre Vorboten.
| Lamas und Alpacas sind dankbare, strapazfähige Tiere. |
| Bei der Abfahrt gab es vereinzelt Fälle von Seekrankheit zu protokollieren. |
Im Hotel stellt sich heraus, dass wir gestern doch die
Konstantesten waren. Bei zwei Kontrollen insgesamt acht Sekunden daneben. Die
anderen waren noch weiter entfernt. Wieder nur ein Punkt. Das siebente mal. Wir
führen klar in unserer Klasse. Am nächsten kommt uns noch Peking-Paris-Sieger Steve
Hyde, fünf Punkte hinter uns. Der Rest ist abgeschlagen und fährt zum Teil gar
nicht mehr.
| Ein bisserl was geht da schon noch drauf. |
| Aerodynamisch ein Verbrechen, aber der Werbezweck heiligt die Mittel, |
In der Gesamtwertung liegen wir zwangsläufig auch in
Führung. Gemeinsam mit zwei anderen Autos, die Ihre Gruppen ähnlich dominieren.
Wird spannend, wer sich im eine Blöße gibt.
Abends Dinner zu viert. Die Schlatters bleiben im Hotel und
chillen. Jörg Lemberg hängt im Transporter und soll angeblich noch spät nachts kommen.
Fodor´s führt uns in ein Steakhouse. Peruanisch angehaucht.
Delikat, aber wir sind bis zur Rechnung die einzigen Gäste. Leute mit weniger
geradem Ego würden zu zweifeln beginnen.
Heute ist Samstag. Robbie zieht es noch auf die Tanzfläche.
Das Forum soll der heißeste Schuppen der Stadt sein. Wir reiten zu zweit um
22.30 ein und sind die einzigen Gäste. Die anderen kommen noch, trösten uns die
Kellner. Nichts los. Das spürt man bei drei Tanzflächen und sechs Ebenen
besonders. Die GT laufen. Um 23.00 kommen die ersten der anderen. Um 23.30 wird
in einem Eck bereits getanzt. Um Mitternacht regt sich Leben in der Wüste. Um
0.30 ist die Bude voll. Wir knapp dahinter.
Um vier wieder zurück im Hotel. Verschwitzt und happy und
schwankend. Toller Laden mit tollem Licht. Wir wurden wiederholt zwischen 37 und
42 geschätzt. Ganz toller Laden.
Genial!! Die reinste Vergnügungsreise- ich habs immer gewusst.
AntwortenLöschenDer Schuppen muss ja die Oldie Bar schwer in den Schatten stellen. Gut dass der Direktor draussen bleiben musste, sonst hätte man ihn auch jünger geschätzt und er warat aus der Wertung gflogn So aber sollen seine Zylinder weiterhin im 4/Vierteltakt klopfen und euch KIlometer für Kilometer zum Treppchen führen
Ich glaub' mit 37 bis 42 haben die die Körpertemperatur gemeint! ;-)))
AntwortenLöschen