Freitag, 1. März 2013

Vollgas, wo Österreich zu Ende ist

Tag 8               Sucre -Uyuni               361 km


Am Hauptplatz ist um 7 h der Bär los. Unser Direktor kriegt Platzangst. Dutzende Fans mit Kameras versperren uns den Weg. Hier zählen alte Autos noch was. Heute geht´s in die Wüste. An einen Ort namens Uyuni, bekannt durch den größten Salzsee der Welt. Durch sonst nichts.
Großer Bahnhof am Hauptplatz. Nach zwei Autogrammen ging´s los.
Bauboom in der Hauptstadt. Leider auch Architektenmangel.
Sucre liegt bald hinter, großartige Straßen vor uns. Wir steigen unaufhaltsam. Zuerst knacken wir die 3000er-Marke. Bald darauf 3500 Meter Seehöhe. Der Direktor schnauft. Wir wie immer mit einem Lied auf den Lippen. Kurz, bevor der Höhenmesser 4000 anzeigt, Potosi. Die legendenumwobene Welthauptstadt des Silbers am Fuß des stattlichen Cerro Rico. Schon die Inkas haben hier das helle Metall gefördert, dann kamen die Conquistadoren und vervielfachten die Produktion auf unfreundliche Art.

Potosi, früher die Welthauptstadt des Silbers. Sie sehen hier das, was die Spanier übrig gelassen haben.

Das Leben auf dieser Seehöhe erlaubt aber sowieso keine großen Sprünge.








 
 
 
 
 

Hardcore dort, wo Österreich schon lange aufgehört hat.
 
 
 
 
 
 
 
 
Nichts glänzt hier. Liegt vermutlich daran, dass die Spanier alles Wertvolle nach Hause verschifft haben. Restlos. Geblieben ist die Armut. Wir erobern die Stadt auf unsere Art. Fahren im Konvoi durch enge Gassen, bis alles steht. Kein Wunder, es ist Sonntagsmarkt und wir so was von mitten drin. Indios links, rechts, manchmal fast unter uns. Sie wollen lieber Andinos genannt werden, aber auch das bringt uns nicht weiter. Erst nach zwanzig Minuten entkommen wir durch beharrliches Missachten der Einbahnregel diesem Menschenzyklon.
Der berühmte Sonntagsmarkt von Potosi. Der einzige Ort der Welt, wo jedermann
Dynamit ganz legal kaufen kann.
Und natürlich Che. Er stammt zwar nicht von hier, ist aber
der Welt berühmtester Bolivianer
Weiter auf einer perfekten Fahrbahn nach Uyuni.  Ausladende Kurven, Geraden bis das Auge versagt, Herr Direktor frohlockt. Allein die Versorgung hinkt. Wo Tankstellen sein sollen, ist meistens Leere. Und wenn wir eine finden, dann verkaufen sie uns nur selten Sprit.
Er spart sich das Sonnenöl, macht sich das bisserl Schatten, das er braucht, selbst.
Wirkt wie ein Scherz, ist aber vollkommen berechtigt.
Wir steigen weiter. Den 4000er nehmen wir ohne Fanfaren. 4100, 4200, bei 4224 ist heute der Höhepunkt erreicht. Kein besserer Ort für einen Boxenstopp. In zweifacher Hinsicht. Nach uns kommt Herr Direktor dran. Wir schneiden den Boden aus einer PET-Flasche und entleeren unseren brandneuen 10-Liter-Kanister durch die Öffnung in den Tank. Unser Trichter hat sich vorher in seine Teile aufgelöst.
Rekord, für heute zumindest. Zeit für einen Boxenstopp.

Posing auf 4224 Metern. In Wahrheit schnaufen wir, wenn wir die Motorhaube aufmachen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ups. Nicht mal hier kann man in Ruhe nachdenken gehen.
 

 
 
 
 
 
 
 
 
Auch dafür sind Mineralwasserflaschen gut.
Das Roadbook verspricht uns für Uyuni eine Tankstelle. Als wir die Serpentinen hinab rollen, taucht mitten im Nirgendwo eine Ansammlung von Häusern auf. So schaut Einsamkeit aus. Die Tankstelle gibt es wirklich, tolles Roadbook, doch sie schließt Sonntag mittags. Es ist 15 h und wie schon gesagt Sonntag. Jetzt wird’s eng.
Das einzig brasilianische an Bolivien sind die Straßen.
Schaut aus wie ein Par 5 in Scottsdale.
Dem Himmel so nah lebt es sich auf diese Art.
Hab ich´s nicht gesagt. Ein lebensmüdes Alpaca.

Dünen gibt es nicht nur am Meer.


 
 
 
 

 
 
 

Und Tornados nicht mur in den USA.
Die Einfahrt nach Uyuni nimmt uns jede Hoffnung, irgendwo sonst hier Sprit zu bekommen. Tristesse wäre geschmeichelt. Unser Hotel tanzt nicht aus der Reihe. Immerhin sind die Eigentümer bemüht. Vermutlich haben Sie seit Jahren nicht so fette Beute gemacht.
Uyuni. Wenn hier nichts wäre, würde niemand etwas abgehen.

So begrüßt die Salzstadt den zweifelnden Besucher.








 
 
 
 

Und sorgt rasch dafür, dass keine Zweifel bleiben.

Wer an Entspannen denkt, kennt H&H, die Londoner Veranstalter, schlecht. Frugale Jause im Stehen und gleich weiter in einem Konvoi aus Jeeps zum Salzsee. Der einzige Grund, der uns hierher getrieben hat.
Die Exkursion beginnt bei ein paar Ständen, an denen Andinos (!) ortstypische Besonderheiten feilbieten. Hans darf sich jetzt als neuen Besitzer einer eleganten Alpaca-Mütze vorstellen, Andi deckt sich gleich für die nächste Eiszeit ein.
Unser Guide (der Kleine in der Mitte) mit bestem Südstaaten-Englisch.
Weiter geht’s aufs Salz. Der Führer, ein Andino, der offenbar daheim amerikanisches Fernsehen empfangen kann, klärt uns auf. Der Saltar de Uyuni ist der größte Salzsee der Welt. 120 km lang und 100 breit. Selbst auf der Bolivienkarte ein beachtlicher Fleck. Die Salzschicht ist im Schnitt 1,20 Meter dick. Und während vor zehn Jahren sich nur Abenteurer hierher verirrten, kommen jetzt rund 500 Touristen pro Tag. Wo die alle schlafen, ist uns ein Rätsel.

Die Hausmauern werden hier aus Salz gebaut.
Höhepunkt des Ausflugs ist der Besuch des Salt Hotels. Unschwer als Epigone des Ice Hotels zu erkennen, ist es zwar nicht so frostig, aber sonst eine Katastrophe. Hier können nur  Verrückte übernachten, ist die einhellige Meinung.

Der Salar de Uyuni. Wenn man sich von all den Menschen wegdreht, hat er schon seinen Zauber.
Zurück in unserem supergemütlichen Designhotel, gibt es nur ein Thema: Wo gibt es morgen Benzin. Kaum jemand, der nicht auf Reserve fährt. Wen wundert´s, wenn 400 km keine offene Tankstelle zu finden ist. Wir sollen um 7 h starten, die örtliche Tankstelle öffnet um 9 h. Vielleicht. Die Veranstalter versprechen, morgen ihre gesamten Reserven zu öffnen. Wenn´s wahr ist 380 Liter. Wir wollen es ihnen glauben und gehen von einem gewaltigen Gewitter angefeuert ins Bett.
 

 





 

 

 


2 Kommentare:

  1. Dass der Nervenkitzel das Lieblingsspiel vom Herbert ist, wissen wir. Aber wie geht unser Hans - wenn auch keine Nerverl - damit um, dass dem Direktor der Saft ausgehn könnte und er nit ERSTER werden kann, wegen mangelnder Versorgung. Schon komisch in der Wüste hätt ich geglaubt ist das Wasser das Wichtigste. So wünsch ich Euch genug feines Erdölsafertl. Wie seid´s den plaziert?

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  2. Da erkenne ich die eine oder andere Stelle von meiner Weltreise wieder. Allerdings hatte ich nicht so ein elegantes Gefährt unter meinem Hintern. Danke für die wunderbaren Berichte, da lässt Herr Pulitzer grüßen, ich habe auch schon Verlags-Anfragen. Berichtet uns doch auch von euren Zwischenrankings, die offizielle Website taugt diesbezüglich rein gar nichts! Disfruten el resto del viaje!

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