Tag 30 Rio Grande - Ushuaia 212 km
Beim Frühstück spürt man die Aufregung. Das Schlussergebnis
ist klar, aber selbst ein Zeugnis mit lauter Einsern kribbelt im Nacken,
bevor man es in Händen hält. Ins Ziel ist es nur noch ein Hupfer. Etwas über
200 km, die Arbeit eines Vormittags.
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Das Hotel Grande in Rio Grande. Unser vorletztes Quartier ächzte
eine Nacht lang im Sturm. |
Der Sturm, der letzte Nacht das Hotel knarren ließ, ist
abgeflaut. Blauer kann ein Himmel nicht sein. Gestern haben alle Teilnehmer
vereinbart, dass wir zusammenwarten und gemeinsam ins Ziel fahren. Treffpunkt um
13 h an einer Tankstelle am Rand von Ushuaia.
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| So schaut Feuerland aus. |
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Heiße Anwärter auf den Sympathiepreis. Martin Egli mit seinem
Privatingenieur Jack Amies. |
Ein letztes Mal zeigt uns Feuerland, welche Farben es in der
Palette hat. Zuerst gelbe Ebenen, dann tiefblaue Seen und am Schluss ein
Gebirge, mit allen Schattierungen des Herbsts. Und obwohl keiner der Berge höher
als 2000 Meter ist, sehen wir sogar Schnee. Im Winter liegt hier genug, damit
der ÖSV sein Sommertraining veranstaltet kann.
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| Einmal geht's noch: Die Gerade des Tages. |
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| Ganze Waldstriche sind von dieser Flechte einbalsamiert worden. Schaut spannend aus, am Ende sind die Bäume jedoch tot. |
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| Nochmals Nahrung für Auge und Gemüt. |
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| Der Lago Fagnano ist ein über 100 km langer Süßwassersee umzingelt von Meer. |
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| Das andere Ende des Fagnano-Sees. Kommt einem irgendwie bekannt vor. |
Spät gestartet und noch eine Besichtigung von Ushuaia
eingeschoben, kommen wir dennoch als erste in der YPF-Station an. Die anderen
folgen bald. Die letzte Chance, unseren Whisky zu leeren. Wir hatten eindeutig zu
wenige Probleme, sonst hätte die Flasche das Ziel nicht gesehen. Es wird
geplappert und gekichert. Erleichterung und Entspannung in den Gesichtern.
Umarmungen mit jedem, der gerade da steht.
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| Kurz vor Ushuaia einmal noch hoch in die Berge. |
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| Was bitte ist in Lapataia, 24 km hinter dem Ende der Welt. |
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Das Skigebiet um den Cerro Castro lockt auch die ÖSV-Athleten in
unserem Sommer ans Ende der Welt. |
Die Stimmung ist besser als der Rahmen. Ushuaia gewinnt
keine Schönheitspreise. Aber das Ende der Welt, so vermarktet sich die Stadt
geschickt seit Jahren, stellt man sich anders vor. 56.000 Menschen leben
hier vor allem vom Tourismus. Genug Menschen meinen offenbar, sie müssen einmal
m Leben am Ende der Welt gewesen sein. Dabei liegt Ushuaia weiter vom Südpol
entfernt als Kopenhagen vom Nordpol.
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| So schaut das hier also aus. |
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| Und so. |
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Scheint nicht als Spaß gemeint zu sein. Auf jeden Fall soll Ushuaia
nicht der Stützpunkt für die Schiffe der englischen Piraten herhalten. |
Dabei ging der Streit mit Chile, wer sich die südlichste
Stadt der Welt nennen darf, vor einigen Jahren verloren. Diese ist nun von allen
anerkannt Puerto Williams. Ein 2300-Einwohner-Kaff auf der chilenischen Seite
des Beagle-Kanals.
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| Verbrüderung auf der Tankstelle. |
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| Flasche erst jetzt leer. Offenbar zu wenige Scherereien. |
Wir fahren im Autokorso Richtung Hotel. Einen großen Empfang
am Hauptplatz haben sich die Veranstalter gespart. Auch die letzte Ziellinie vor
unserem Quartier mahnt von kargen Zeiten. Keine Rampe, kein Trara, ein
schlichtes Transparent muss als Kulisse für hunderte Fotos herhalten. Bei jedem
Golfturnieren gibt’s mehr Flitter.
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| Keine große Oper. Die Zielankunft nach fast 15.000 km wirkt sachlich. |
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| Noch ein Hoteltipp. Das Las Caquenes liegt direkt am Beagle-Kanal und spart nicht mit Ausblick. |
Nüchtern geht´s beim Galadiner weiter. Siegerehrung im
Hinterzimmer. Ein paar haben wochenlang verstecke Sakkos hervor gekramt, die
meisten sitzen im Hemd. Der Chef Simon Hope entschuldigt sich für alles, das
nicht so funktioniert hat. Das dauert. Dann lobt er seine Mitarbeiter. Das
Finish macht versöhnlich. Viel Applaus. Wer jetzt keine Standing Ovations bekommt,
der hat in den letzten Wochen wirklich etwas falsch gemacht.
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| Galadinner im Hinterzimmer. |
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| Frenetischer Applaus für fast jeden. Das Finale stimmt milde. |
An unserem Tisch wird einmal mehr Deutsch gesprochen. Die
Panzer-Division nennen uns die Briten liebevoll. Das hat vermutlich mehrere
Ursachen, hauptsächlich dürfte es an der überlegenen Kraft unserer jungen Mercedes
liegen. Und daran, dass wir nicht nur einmal im Konvoi das gesamt Feld überholt
haben. Hätte noch gefehlt, dass wir dabei Blaulicht und Sirene einschalten.
Aber wie gesagt, das Finale versöhnt, auch wir werden bejubelt.
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| Nicholas Pryor aus England holte den zweiten Platz in der Klasse C. |
Offizielle Endergebnisse liegen nicht auf. Die Website der
Veranstalter steckt am Tag 18. Dennoch keine offenen Fragen. Wir haben unsere Klasse
souverän gewonnen. Insgesamt sind wir Dritte. Dafür bekommen wir einen eleganten
Seifenhalter. Praktischerweise ohne Gravur. Wenn also jemand von Hans in
nächster Zeit einen Seifenhalter als Geschenk bekommt, dann weiß er, dass dieses Stück
mit viel Staub und Sprit bezahlt wurde.
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Der Australier Hayden Burwell sicherte sich den zweiten Platz in de Gesamtwertung.
Und einen klaren Sieg in der Best-dressed-Kategorie. |
Sieger sind Vater und Sohn Stevenson. Sie betreiben in der
Nähe von Brisbane eine Farm für Fertigrasen. Und sie freuen sich aufrichtig.
Rührend zu sehen, wie dieser knorrige Turm von einem Mann alle, die sich ihm in
den Weg stellen, mit nassen Augen abschmust.
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| Die Sieger der Gesamtwertung: Max und James Stevenson. Im Hintergrund Rallye-Direktor Simon Hope. |
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| Große Gefühle am Ende einer großen Reise. |
Bei so viel Pathos vergisst man sofort, dass jeder zweite
das Galadinner trotz knurrenden Magens nicht anrührt. Dieses Fiasko auf Tellern war von
den Veranstaltern gewiss so geplant worden. Im Sinn der Teilnehmer. Kaum einer,
der in sechs Wochen ohne schnellen Schritt und mit reichlich Bier und anderen Spaßmachern
im Glas nicht ein paar Kilo mehr heimbringt.
Das ist der Schluss. Fünf Wochen Rallye und fast 15.000 km liegen
hinter uns. Jeder hat einen kleinen Teil der Welt und sich selbst besser kennen
gelernt. Die faszinierenden Eindrücke kommen in das Regal mit den Erinnerungen.
Wenn mir irgendwann fad ist, dann kann ich sie ja mit diesem Blog wieder
abstauben.
Danke fürs Posten. Danke fürs Daumendrücken. Danke fürs Mitfiebern.
Danke.
Gratulation, ihr Helden
AntwortenLöschenSchade, dass die Organisation ähnlich karg wie so mancher Landstrich war. Und gut, dass ihr die Geraden nur befahren habt und nicht in eine gelaufen seid.
Ich fühle mich als Trittbrettsieger. Es war schön euch aus der Heimat begleiten zu dürfen, mit zu fiebern, auch wenn man manchmal nicht wusste, wie es genau um euch bestellt war, oder der Blog ein paar Tage hinterherhing in Relation zur Landkarte auf der Veranstalterseite. ( die übrigens genauso wie euer Galadiner in Bescheidenheit glänzte) Ich habe viel gelernt über Südamerika, zu euren jeweiligen Positionen Bilder und Fakten ausgegraben und eine Kontinent-reise mit dem Finger auf der Landkarte gebucht. Schlaucht etwas weniger als unmittelbar und Tag für Tag im Auto Kilometer abzuspulen, hatte aber auch seinen Reiz und war kurzweilig.
Gewohnt genial die Drifts auf Sand mit dem Drift auf Papier zu kombinieren, danke Herbert für die köstliche Untermalung in Wort und Bild- Ich denke das wäre schon ein gebundene Ausgabe wert.
Noch eine Bitte: nehmt etwas von der Sonne am Äquator mit, der Frühling in Ö scheint ebenso auf euch zu warten wie eure Freunde zu Hause.
Guten Flug und gute Überfahrt für den Herrn Direktor. Ich postuliere mal er wird seine unzähligen Kabelbinder nicht verzollen müssen.
Herzlichen Glückwunsch und Chapeau!!
AntwortenLöschenEine grandiose Leistung!
Es war ein Erlebnis Euch online zu begleiten.
Herbert - danke für die vielen spannenden und vergnüglichen Berichte. Du schreibst so großartig, dass man davon kaum genug bekommen kann. Die bunten Bilder dazu gaben einen fast greifbaren Eindruck.
Kommt gut und gesund nach Hause, freue mich auf ein Wiedersehen!
Liebe Grüße
Claudia
Diese Berichte kann nur mehr der Prüller Heinzi bei der nächstmaligen Liveübertragung von Servus TV schlagen. Und Vettels Überholmanöver in Malaysia war sicher ein Gentleman Manöver verglichen mit euren knallharten Attacken auf den Geraden des Tages. Ich freue mich auf die Helden zum Anfassen. Und auf das Spanisch von Hans.
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